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Designer Spotlight: Capsule 301

aktualisiert am 7.4.2026
Designer Spotlight: Capsule 301
Capsule 301 ist mehr als ein Modelabel. Es ist ein Bekenntnis zur Zeit, zur Region und zum lokalen Handwerk. Giulia Fratini und Line Nora Michel von Capsule 301 über Swiss Made, das Tessin als Standort und warum gutes Design Raum lässt für Persönlichkeit.

Mitten im Tessin, in Mendrisio, bewahrt das Trio hinter Punto 301 eine fast verschwundene Schneidertradition – und übersetzt sie mit Capsule 301 in eine zeitgemässe, reduzierte Garderobe. Im Gespräch mit the edit. erzählen die Mitgründerinnen Giulia und Line von der Entscheidung, den Schritt vom reinen Produktionsbetrieb zum eigenen Label zu wagen, von Transparenz als Form von Nachhaltigkeit und davon, warum wahre Zeitlosigkeit nichts mit Stillstand zu tun hat.

Mode wird wieder greifbar und persönlich.

Drei Jahre nach der Gründung von Punto 301 habt ihr euch entschieden, ein eigenes Label zu lancieren: Capsule 301. Wie ist dieser Schritt entstanden und worin liegt der Unterschied zwischen den beiden Projekten?

Punto 301 ist aus einer sehr konkreten Situation heraus entstanden. Eine bestehende Schneiderei in der Region stand kurz vor der Schliessung, und wir haben uns – ohne uns damals sehr gut zu kennen – entschieden, diese Tradition weiterzuführen. Unser Hauptanliegen war von Anfang an, die Schneiderkunst im Tessin zu erhalten. Gleichzeitig hatten wir immer den Wunsch, etwas Eigenes zu entwickeln. Capsule 301 ist genau dieser persönliche Raum: ein Projekt, bei dem wir selbst über Schnitte, Stoffe und Farben entscheiden können. Nach drei Jahren Produktion für andere Labels war der Moment richtig. Auch, weil wir gemerkt haben, dass viele Menschen im Tessin gar nicht wissen, dass es diese handwerkliche Realität noch gibt. Capsule 301 ist auch eine Einladung, diese Welt nicht nur für die Deutschschweiz, sondern ganz bewusst auch lokal zu öffnen.

Es geht also darum, den Menschen im Tessin lokale Mode näherzubringen?

Absolut. Wer zu uns kommt, erlebt den ganzen Prozess: vom Stoff bis zum fertigen Kleidungsstück. Die Kund*innen sehen, wer ihre Kleidung näht, wie sie zugeschnitten wird, wie sie entsteht. Mode wird wieder greifbar und persönlich.

Wie würdet ihr Capsule 301 in drei Worten beschreiben?

Timeless. Ethical. Swiss.

Und vielleicht noch: Transversal – im Sinn von tragbar für verschiedene Körper, für Frauen und Männer. Unsere Schnitte sind bewusst so gestaltet, dass sie nicht zu nah am Körper liegen, mit klaren Linien und präzisen Details. Qualität steht immer im Zentrum.

Man and women in Capsule 301

©Capsule 301

Gibt es Materialien oder Kleidungsstücke, die besonders typisch für Capsule 301 sind?

Wir arbeiten überwiegend mit natürlichen Materialien: Wolle, Baumwolle, Leinen. Praktisch alle unsere Stoffe kommen aus dem Tessin, aus der Como-Region oder aus dem Piemont. Wir pflegen enge Beziehungen zu unseren Produzenten, teilweise auch in Deutschland. Diese Nähe ist uns wichtig – genauso wie Transparenz.

Ihr produziert mit Punto 301 für andere Schweizer Designer*innen. Wie gelingt es euch, mit Capsule 301 eine eigene Handschrift zu entwickeln?

Wir haben mit sehr einfachen Basismodellen begonnen, also Teile, die wir selbst gerne tragen. Diese entwickeln wir kontinuierlich weiter. Ein gutes Beispiel sind unsere Hosen: ein Grundschnitt, der über die Jahre variiert wurde: enger, weiter, andere Details.

Uns ist wichtig, uns nicht von unseren Kund*innen inspirieren zu lassen. Natürlich kann es passieren, dass ähnliche Ideen parallel entstehen. Dann sprechen wir offen darüber. Transparenz ist hier entscheidend, um Konflikte zu vermeiden und Vertrauen zu bewahren.

Jacket

©Capsule 301

Ihr produziert ausschliesslich in Mendrisio. Was bedeutet das für euch persönlich?

Sehr viel. Capsule 301 könnte an keinem anderen Ort existieren. Die Nähe zur Produktion erlaubt uns, kleine Mengen zu fertigen, flexibel zu reagieren und bewusst keinen grossen Lagerbestand aufzubauen. «Swiss Made» ist für uns kein Marketingbegriff, sondern gelebte Realität, mit viel Liebe zum Detail.

Eure Designs wirken gleichzeitig zeitlos und sehr modern. Wie verbindet ihr Tradition und Gegenwart?

Die Schnitte bleiben über Jahre gleich, das macht sie zeitlos. Das Moderne kommt über Stoffe, Farben und Styling. Unsere Teile lassen sich mit vorhandener Garderobe kombinieren, egal ob diese neu oder zwanzig Jahre alt ist. Genau das macht sie langlebig.

Nachhaltigkeit spielt eine zentrale Rolle für euch. Wie definiert ihr diesen Begriff?

Nachhaltigkeit ist für uns ein Gesamtprozess: lokale Produktion, faire Arbeitsbedingungen, Transparenz. Unsere Türen stehen allen offen. Jede*r kann sehen, wie gearbeitet wird, wer beteiligt ist, woher die Materialien kommen. Das ist für uns echte Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit ist für uns ein Gesamtprozess: lokale Produktion, faire Arbeitsbedingungen, Transparenz.

Ihr folgt keinem klassischen Saisonkalender. Ist das eine bewusste Entscheidung?

Ja. Unsere Modelle bleiben, die Stoffe wechseln saisonal. Das gibt uns Freiheit und unseren Kund*innen Sicherheit. Wer heute eine Hose kauft, kann nächste Saison ein Teil ergänzen, das dazu passt. Alles wächst organisch und langsam.

Wie würdet ihr eure typischen Kund*innen beschreiben?

Sehr unterschiedlich. Was sie verbindet, ist die Wertschätzung für Qualität, «Swiss Made» und bewussten Konsum. Viele entscheiden sich lieber für ein einziges gutes Stück und verzichten dafür anderswo.

Orangenes Outfit

©Capsule 301

Was ist die grösste Herausforderung daran, Designerinnen und Unternehmerinnen zugleich zu sein?

«Time and Timing». Wenn unsere Kunden ihre Kollektionen produzieren, müssen wir gleichzeitig unsere eigenen umsetzen. Das erfordert viel Planung und ist manchmal auch stressig. Aber bisher ist es uns gelungen, beides miteinander zu vereinbaren.

Wie ist Capsule 301 organisatorisch aufgebaut?

Wir sind zu dritt (Giulia Fratini, Michela Quadri und Line Nora Michel) und treffen alle Entscheidungen gemeinsam. Ich (Line) kümmere mich vor allem um die Produktion und Organisation, Giulia um Marketing und Kommunikation, und Michela um Administration und Stofflieferanten. Ohne dieses Zusammenspiel würde es nicht funktionieren.

Es ist ein guter Moment für Swiss Fashion – und wir finden es schön, Teil davon zu sein.

Wie blickt ihr auf die Entwicklung der Schweizer Modeszene?

Sehr positiv. Viele Labels werden professioneller, das Bewusstsein für lokale Produktion wächst – auch als Reaktion auf Covid. Nähe bedeutet Sicherheit, Qualität und Verlässlichkeit. Diese Bewegung spüren wir.

Gibt es etwas, das ihr euch für die Zukunft der Schweizer Modeszene wünscht?

Dass diese Entwicklung weitergeht. Es gibt unglaublich talentierte, engagierte Designer*innen. Es ist ein guter Moment für Swiss Fashion – und wir finden es schön, Teil davon zu sein.

Hier findest du die Designs von Capsule 301: Webseite | Instagram

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