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Designer Interview

Designer Spotlight: NINA YUUN

aktualisiert am 2.4.2026
Designer Spotlight: NINA YUUN
Zwischen Seoul und der Schweiz, Tradition und Präzision, Handwerk und Alltag: Designerin Nina Yuun verbindet in ihrem Label NINA YUUN kulturelle Tiefe mit zeitgemässer Funktionalität. Ein Gespräch über Mode als Sprache, Verantwortung im Design – und die Kraft stiller Silhouetten.

Im Rahmen der Kooperation mit Laufmeter anlässlich des diesjährigen Mode-Salons, durfte ich mit der Designerin Nina Yuun sprechen. Sie faszinierte mich vom ersten Moment an: Ihre Ruhe trägt eine stille Kraft, ihre Antworten sind präzise und durchdacht – klar in der Aussage, ohne je streng zu wirken. Für the edit. sprach sie über ihre Herkunft, ihre Rolle als kulturelle Brückenbauerin und jene Momente, die sie als Designerin besonders stolz machen.

Die Präzision und Genauigkeit der Schweiz verbinden sich mit meiner kulturellen Herkunft.

Nina, du bist in Südkorea geboren und lebst heute in der Schweiz, nahe Bern. Wie prägen diese beiden Kulturen dein Designverständnis?

Mein Design basiert auf zwei klaren Säulen: Südkorea und die Schweiz. Südkorea ist meine Herkunft. Von ihr lasse ich mich stark von traditionellen koreanischen Techniken und Handwerken inspirieren, etwa bei der Nubi-Technik. Gleichzeitig entwerfe ich für Kundinnen in der Schweiz. Das funktioniert, weil ich hier gelernt habe, wie präzise und exakt gearbeitet wird, was man oft als «Swiss Standard» bezeichnet. Am Ende ist es immer eine Mischung dieser beiden Kulturen.

Kurz gesagt, kombinierst du also Herkunft und Technik mit Schweizer Präzision?

Genau. Die Präzision und Genauigkeit aus der Schweiz verbinden sich mit meiner kulturellen Herkunft. Es ist eine sehr flexible Beziehung. Oft werde ich auch direkt von meinen Kundinnen hier inspiriert. Die Schweizer Frau ist ein wichtiger Teil meiner Inspiration.

Was inspiriert dich an diesen Frauen besonders?

Es ist nicht «die eine» Schweizer Frau. Aber viele meiner Kundinnen haben gemeinsame Eigenschaften: Sie sind offen, neugierig und bereit, Neues zu lernen. Sie übernehmen Verantwortung, ob im Beruf oder im privaten Leben. Dabei geben sie immer ihr Bestes. Diese Eigenschaften beeindrucken mich sehr.

Swiss-Nubi-West-Hero 3

©NINA YUUN

Wann hast du gemerkt, dass Mode für dich mehr ist als Kleidung, sondern eine Erzählform?

Das war während der Covid-Zeit. Ich habe damals stark hinterfragt, welche Rolle Mode in einer Welt voller Krisen überhaupt spielen kann. Warum schöne Dinge entwerfen, wenn alles aus den Fugen gerät? Ich habe erkannt, dass es nicht nur um das Produkt geht. Mode ist für mich eine Art, für die Zukunft zu stimmen, in der ich leben möchte. Über das Design begegne ich Menschen, Situationen, Perspektiven. Alles ist miteinander verbunden. Da wurde mir klar: Es geht um mehr als Kleidung.

Welche Erfahrungen haben dich als Designerin besonders geprägt?

Vor allem der Umzug in die Schweiz. Ich war plötzlich an einem Nullpunkt und musste mich neu definieren, mich beweisen. Dieser Prozess war nicht einfach, hat mir aber geholfen zu verstehen, was für eine Designerin ich sein möchte. Ich wollte nie nur Stücke entwerfen, die auf einem Podest hängen, sondern Kleidung, die Verbindung schafft – zum Alltag, zum Leben.

Dein Label NINA YUUN steht für «timeless, mindful, artisanal». Was bedeuten diese Begriffe konkret für dich?

Timeless heisst für mich, Kleidung zu entwerfen, die man über Jahrzehnte tragen kann, was automatisch mit Nachhaltigkeit verbunden ist. Mindful bedeutet, bewusst zu gestalten, aber auch bewussten Konsum zu fördern. Ich möchte nicht, dass jemand einfach kauft, sondern dass er sich fragt, was er wirklich braucht. Und Artisanal steht für das Sichtbarmachen menschlicher Arbeit. Handwerk soll spürbar bleiben, etwa durch Techniken wie Nubi.

Swiss-nubi-vest-impressions

©NINA YUUN

Kannst du die Nubi-Technik genauer erklären?

Nubi stammt ursprünglich aus dem Buddhismus in Korea. Mönche fertigten ihre Kleidung selbst, um Konsum zu vermeiden. Besonders im Winter entwickelten sie eine gesteppte Technik, bei der Textilien lagenweise vernäht wurden. Heute beherrschen nur noch wenige Künstler*innen diese Technik. Mir war es wichtig, dieses Wissen in eine zeitgemässe Form zu übersetzen, zwischen Handwerk und industriellem Prozess.

Die Nubi-Weste ist ein Signature-Stück deines Labels. Was bedeutet sie dir persönlich?

Sie ist zu einem charakteristischen Teil meiner Marke geworden. Die Weste ist flexibel, tragbar für verschiedene Körper sowie Grössen und verbindet eine klare Designsprache mit Funktionalität. Für mich steht sie auch für einen asiatischen Zugang zur Mode: Kleidung engt den Körper nicht ein, sondern wird um ihn herum gedacht – mit Raum und Fluss. Die Nubi-Weste formt, ohne einzuengen. Sie ist chic, aber unaufdringlich.

Meine Designs sind dafür gemacht, getragen und vergessen zu werden – natürlich im positiven Sinne.

Was würdest du als dein Unique Selling Point beschreiben?

Diese Mischung aus Zeitlosigkeit, Achtsamkeit und Handwerk. Meine Designs sind dafür gemacht, getragen und vergessen zu werden – natürlich im positiven Sinne. Jede*r kann sich darin bewegen, arbeiten, leben. Als Mutter ist mir das besonders wichtig. Ich möchte gut aussehen, ohne eingeschränkt zu sein.

Wo findest du Inspiration für deine Designs?

Sehr intuitiv. Besonders in Südkorea sammle ich Eindrücke aus dem Alltag: ein kleiner Garten, alte Bäume, menschliche Bewegungen. Ich notiere vieles und lasse es später wieder aufleben. Alle Designer haben ihre eigene Art, Inspiration zu verarbeiten – das fasziniert mich an diesem Beruf.

Nachhaltigkeit spielt eine zentrale Rolle für dein Label. Wie setzt du sie konkret um?

Ich sehe Nachhaltigkeit nicht als Checkliste. Ich arbeite mit natürlichen Materialien aus Europa, aber auch mit exzellenten Schneider*innen in Korea. Ich produziere nur, was wirklich gebraucht wird. Das bedeutet, ich kreiere in sehr limitierten Drops, mehrmals im Jahr. Das erlaubt mir, auf meine Kundinnen zu reagieren, statt Überproduktion zu riskieren. Neben einer bewussten Produktionsplanung arbeite ich auch mit einem Vorbestellungsmodell für limitierte Editionen und einzelne Varianten. Das war eine wichtige Entwicklung – auch um meine Kundinnen zu sensibilisieren.

Designer Spotlight: NINA YUUN

©NINA YUUN

Du arbeitest bewusst ohne klassische Kollektionen. Warum?

Der saisonale Zyklus setzt kleine Marken enorm unter Druck. Früher habe ich mit vielen Boutiquen gearbeitet, aber gemerkt, dass dieses System für mich nicht funktioniert. Heute verkaufe ich direkt über meinen Webshop. Und bin in zwei Concept-Stores in der Schweiz vertreten (in der Macherei Zürich und ab 10. April 2026 im Kaiserhaus Bern). Das ist finanziell stabiler, ehrlicher und näher an meinen Kundinnen.

Du bezeichnest dich selbst als kulturelle Brückenbauerin. Was meinst du damit?

Ich möchte nicht nur Produkte entwerfen, sondern Südkorea und die Schweiz verbinden. Ich würde gerne koreanische Kunsthandwerker*innen in die Schweiz einladen, ihre Arbeit zeigen, Workshops oder Gespräche organisieren. Kultur in einer sehr alltäglichen, zugänglichen Form erlebbar machen.

Was war einer deiner stolzesten Momente als Designerin?

Wenn mein Design für sich spricht, ohne dass ich es erklären muss. Wenn Kund*innen die Inspiration spüren, die dahintersteckt. Diese Momente zeigen mir, dass es funktioniert.

Ich wünsche mir, dass wir mehr miteinander arbeiten anstatt gegeneinander.

Wenn du zurückblickst: Würdest du etwas anders machen?

Nein. Ich glaube, ich brauchte all diese Umwege. Vielleicht würde ich meinem jüngeren Ich raten, besser auf die eigene Gesundheit zu achten – und sich auch Pausen zu erlauben.

Was wünschst du dir für die Schweizer Modeszene?

Mehr Zusammenarbeit. Die Kräfte sind oft verstreut. Ich wünsche mir, dass wir mehr miteinander arbeiten anstatt gegeneinander.

Hier findest du die Designs von NINA YUUN: Webseite | Instagram

Swiss-Nubi-Vest-Hero-1

©NINA YUUN

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