Designer Spotlight: PIQYOURDRESS

PIQYOURDRESS wurde 2015 mit einer klaren Idee gegründet: Festliche Looks zu entwerfen, die sich individuell kombinieren lassen und weit über einen einzigen Anlass hinaus getragen werden können. Im Gespräch mit the edit. erzählen die Gründerinnen Claudia Schacher und Gabi Elia, wie aus einer Autofahrt ins Tessin ein Label entstand, warum Mix & Match bis heute das Herzstück der Marke ist – und weshalb Unternehmertum in der Mode weit über schönes Design hinausgeht.
Wir wollten Bridal Shopping neu denken: entspannter, moderner und näher am echten Leben.
Wie ist die Idee von PIQYOURDRESS entstanden?
Die Idee entstand aus dem Gefühl heraus, dass es in der Abendmode zwar schöne Stücke gibt, diese aber oft nur einmal getragen werden. Gleichzeitig fanden wir viele Kleider nicht stimmig: Mal gefiel das Oberteil, aber nicht der Rock, oder umgekehrt. Daraus entstand der Wunsch nach einem zweiteiligen Konzept, das man individuell zusammenstellen kann. Jede Frau soll wählen können, was ihr schmeichelt, ob kurze oder lange Ärmel, hochgeschlossen oder mit Ausschnitt, schlicht oder auffälliger. Dieses Mix-&-Match-Prinzip war von Anfang an der Kern unserer Idee.
Als wir dann PIQYOURDRESS im Jahr 2015 gründeten, lag der Fokus zunächst auf farbigen Zweiteilern für Hochzeitsgäste und Bräute. Dass Brautmode einmal so zentral werden würde, hätten wir damals nicht gedacht. Heute ist unser Bridal-Sortiment sogar grösser als jenes für Hochzeitsgäste.
War das ein persönliches Bedürfnis oder eher eine Marktlücke, die ihr gesehen habt?
Es war weniger ein persönliches Bedürfnis als vielmehr eine Beobachtung. Wir wollten schon länger gemeinsam etwas aufbauen und wir beide kommen aus einer Unternehmerfamilie. Gleichzeitig haben wir in der Modebranche immer wieder gehört, dass moderne Abendmode schwer zu finden sei. Die eigentliche Initialzündung kam dann auf einer Fahrt ins Tessin: Dort hatten wir eine Produktion gefunden, die sehr hochwertig und individuell arbeiten konnte. Auf der Rückfahrt war uns klar, dass daraus mehr entstehen könnte.
Ihr beschreibt PIQYOURDRESS als eine moderne, entspannte Art von Braut- und Abendmode. Warum war es euch wichtig, genau dieses Gefühl zu schaffen?
Klassische Brautmode wirkte auf viele Frauen oft weit weg vom eigenen Stil. Wir wollten Bridal Shopping neu denken: entspannter, moderner und näher am echten Leben – ohne Verkleidung und ohne Druck.
©PIQYOURDRESS
Wie würdet ihr die typische Kundin von PIQYOURDRESS beschreiben?
Unsere Kundin ist modern, stilbewusst und legt Wert auf Qualität, Komfort und Tragbarkeit. Viele suchen ein besonderes Outfit fürs Standesamt, für eine kleinere bis mittelgrosse Hochzeit oder ein zweites Brautoutfit für den grossen Tag.
Sie möchten sich nicht verkleidet fühlen, sondern einen persönlichen Look tragen, der ihre Persönlichkeit widerspiegelt. Wichtig sind hochwertige Stoffe, entspannte Passformen und ein zugängliches mittleres Preissegment.
Der für euch typische Stoff ist bis heute ein wichtiges Thema. Warum habt ihr euch dafür entschieden?
Uns war wichtig, einen Stoff zu finden, der hochwertig aussieht, schön fällt und gleichzeitig alltagstauglich bleibt. Wir wollten Abend- und Brautmode machen, die nicht nur für einen einzigen Anlass taugt, sondern sich wieder tragen lässt. Deshalb suchten wir lange nach einem Material, das pflegeleicht ist, nicht stark knittert und trotzdem elegant wirkt. Unser Stoff hat einen seidigen, matten Glanz, ist aber unkompliziert in der Pflege – genau das war für unser Konzept entscheidend. Gerade bei Hochzeiten, Reisen oder langen Tagen ist das ein grosser Vorteil.
Unser Mix-&-Match-Prinzip ist bis heute zentral.
Wie entstehen neue Designs bei euch?
Sehr organisch. Wir haben keine festen Design-Meetings, sondern tauschen uns laufend aus. Ideen entstehen im Alltag, durch Stoffe, durch Trends, aber vor allem auch durch unsere Kundinnen. Wir beobachten sehr genau, was gefragt wird, welche Passformen funktionieren und wo noch Bedürfnisse offen sind. So entwickeln sich neue Teile oft aus einem echten Gebrauch heraus – nicht nur aus einer reinen Idee.
Unser Mix-&-Match-Prinzip ist bis heute zentral. Gerade am Anfang war das ein enormer Mehrwert. Kundinnen kauften teilweise zwei Oberteile und zwei Röcke und hatten damit gleich mehrere Looks. Das ist besonders spannend in einer Lebensphase, in der man viele Hochzeiten oder Feste besucht, aber nicht jedes Mal ein komplett neues Outfit kaufen möchte. Uns gefällt die Idee, dass man ein Stück immer wieder neu kombinieren kann – auch mit Teilen, die man bereits im Kleiderschrank hat.
Euer Showroom ist in Zürich. Welche Rolle spielt die Stadt für eure Ästhetik und eure Community?
Wir sind selbst am Zürichsee in Horgen aufgewachsen – deshalb war Zürich für unseren Showroom naheliegend. Über die Jahre ist hier eine grosse PIQYOURDRESS-Community entstanden. Beim Standesamt Zürich gibt es teilweise mehrere Bräute pro Tag mit unseren Stücken, jede in ihrer ganz eigenen Kombination. Somit spielt Zürich eine spezielle Rolle für uns.
Vor einigen Jahren hatten wir auch einen Showroom in Bern, weil wir dort viele Kundinnen haben. Er lief gut, doch als Mütter und Unternehmerinnen mussten wir unseren Fokus bewusster setzen. Langfristig war es logistisch und persönlich nicht machbar, beide Standorte weiterzuführen.
Heute können Kundinnen unsere Zweiteiler unkompliziert online bestellen, mit schneller Lieferung in der ganzen Schweiz. Zudem sind unsere Designs in über 70 ausgewählten Partnerstores in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Dänemark erhältlich.

©PIQYOURDRESS
Warum war euch der Online-Shop von Anfang an wichtig?
Weil wir überzeugt waren, dass dieser Kanal kommen würde. Gleichzeitig wollten wir es den Kundinnen so einfach wie möglich machen. Ein Vorteil unseres Systems ist ja, dass Ober- und Unterteil in unterschiedlichen Grössen gewählt werden können. Das reduziert den Anpassungsaufwand enorm und macht das Konzept auch online viel zugänglicher. Natürlich bleibt die Anprobe wichtig – aber die Flexibilität der Einzelteile ist gerade digital ein grosser Vorteil.
Mittlerweile umfasst PIQYOURDRESS auch Accessoires und Schuhe. Wie entwickelt sich das Sortiment weiter?
Wir erweitern das Sortiment bewusst, aber immer mit Blick auf den Fokus. Accessoires oder neue Kategorien können spannend sein, binden aber auch Kapital und Energie. Deshalb prüfen wir genau, was wirklich zu unserer Marke passt. Aktuell entwickeln wir unser Konzept in Richtung wandelbarer Kleider weiter – also Stücke, die sich mit Capes, Gürteln oder Tops unterschiedlich stylen lassen. Auch da bleibt die Grundidee dieselbe: vielseitig, individuell und wieder tragbar.
Besonders wichtig finden wir einen Brautschuh, der wirklich zum Kleid und zum Stil der Braut passt. Grundsätzlich gilt für uns aber oft: weniger ist mehr. Lieber ein besonderes Statement-Piece als zu viele auffällige Elemente auf einmal.
Viele Bräute achten heute stärker auf Qualität, Verarbeitung und Preis.
Ihr produziert mit langjährigen Partnern in Europa. Welche Kriterien muss ein Partner erfüllen, damit er für euch produzieren darf?
Die Wahl der richtigen Produktionspartner ist für uns zentral, weil jedes Produkt andere Anforderungen mitbringt. Je nach Kategorie arbeiten wir deshalb mit spezialisierten Partnern zusammen. Kleinere Accessoires, Veredelungen und limitierte Bridal-Pieces entstehen teilweise noch in einem kleinen Atelier im Tessin.
Entscheidend sind für uns Qualität, persönliche Zusammenarbeit und verlässliche Kommunikation. Wir setzen auf langfristige Beziehungen und suchen unsere Materialien weiterhin selbst, unter anderem auf Stoffmessen in Paris, um Qualität, Haptik und Verarbeitung bewusst zu steuern.
Glaubt ihr, dass Bräute heute bewusster auf Herkunft und Qualität achten?
Ja, das merken wir deutlich. Viele Bräute achten heute stärker auf Qualität, Verarbeitung und Preis und möchten in Outfits investieren, die modern, hochwertig und vielseitig tragbar sind.
Ihr habt PIQYOURDRESS im Jahr 2015 gegründet. Gibt es etwas, das ihr heute anders machen würdet, wenn ihr nochmals starten könntet?
Wahrscheinlich einiges. Nach über elf Jahren Unternehmertum sammelt man viele Erfahrungen und würde gewisse Entscheidungen heute anders treffen. Gleichzeitig gehören genau diese Learnings dazu – und sie haben uns dorthin gebracht, wo wir heute stehen.
Auch die Branche und das Kundenverhalten haben sich stark verändert. Als wir starteten, war Online-Shopping noch längst nicht selbstverständlich. Heute ist es Alltag. Rückblickend ist es deshalb schwierig zu sagen, was wir komplett anders machen würden. Der Markt hat sich einfach enorm gewandelt.
©PIQYOURDRESS
Was sind eure grössten Herausforderungen aus unternehmerischer Sicht?
Eine der grössten Herausforderungen ist die Balance zwischen steigenden Kosten und fairen Preisen. Produktionen, Materialien, Logistik und Marketing werden teurer, gleichzeitig wächst das Budget vieler Kundinnen nicht im gleichen Mass. Trotzdem wollen wir moderne Bridal-Looks in einem zugänglichen mittleren Preissegment anbieten.
Herausfordernd ist auch die Planung der Produktionsmengen. Wir bedienen unseren Onlineshop, den Flagship-Showroom in Zürich und mehr als 70 Partnerstores im In- und Ausland. Da viele Stores mit Musterteilen arbeiten und erst bei Bedarf nachbestellen, tragen wir einen grossen Teil des Produktionsrisikos selbst.
Hinzu kommt der digitale Wandel: Social Media ist schneller und anspruchsvoller geworden, Online-Marketing teurer und der Wettbewerb grösser. Als Brand muss man sich deshalb ständig weiterentwickeln und neue Wege finden, sichtbar zu bleiben.
Genau diese Dynamik macht den Beruf für uns aber auch spannend. Kein Jahr ist wie das andere. Zudem reichen ein gutes Produkt oder ein kreatives Talent allein nicht. Wenn man ein Unternehmen aufbauen will, braucht es viel mehr: Prozesse, Buchhaltung, Personal, Vertrieb, Logistik, Marketing, Entscheidungen unter Druck. Das Kreative ist oft der schönste Teil – aber bei weitem nicht der grösste. Gerade in der Mode romantisiert man diesen Beruf schnell. In Wahrheit ist es viel harte Arbeit. Umso wertvoller ist es, wenn man das zu zweit machen kann und sich gegenseitig trägt.
Was sind eure Zukunftspläne? Gibt es Projekte oder Kollaborationen in Planung?
Wir wollen unser Abendmode-Sortiment weiter ausbauen mit schlichten, modernen Basic-Abendkleidern in verschiedenen Farben, die elegant, vielseitig kombinierbar und zugleich erschwinglich sind. Uns ist wichtig, Stücke zu kreieren, die zeitlos wirken und nicht nur für einen einzigen Anlass getragen werden.
Parallel dazu arbeiten wir laufend an neuen Bridal-Pieces und modernen Kombinationen für unsere Mix-&-Match-Kollektionen. Ausserdem planen wir einige Shootings, auf die wir uns sehr freuen.
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