the edit.
zeitlos und neu in fashion
Designer Interview

Designer Spotlight: IRALIS

aktualisiert am 13.3.2026
Designer Spotlight: IRALIS
Die Welt der Diamanten gilt als traditionsreich, glamourös und gleichzeitig als eine der komplexesten Branchen der Luxusindustrie. Genau hier setzt Milena Dold-Scheidegger mit ihrem Schweizer Schmucklabel IRALIS an. Die Gründerin hat sich bewusst für laborgezüchtete Diamanten entschieden und verfolgt damit einen Ansatz, der Innovation, Transparenz und verantwortungsvolle Produktion miteinander verbindet.

Was als persönliche Entdeckung während der Geburt ihres Sohnes begann, entwickelte sich schnell zu einer unternehmerischen Vision: hochwertigen Diamantschmuck neu zu denken. Heute begleitet Milena Dold-Scheidegger ihre Kundinnen und Kunden durch einen ebenso emotionalen wie informierten Entscheidungsprozess, von der Auswahl des Steins bis zum individuellen Design. Im Gespräch mit the edit. erzählt sie von den technologischen Möglichkeiten der Labordiamanten, den Veränderungen in der Schmuckbranche und davon, warum Diamanten längst nicht mehr nur ein Geschenk von Männern an Frauen sind.

Unser Ziel ist es, in der Schweiz eine Marke aufzubauen, die für Transparenz, Innovation und verantwortungsvolle Produktion steht.

Du giltst als Pionierin im nachhaltigen Schmucksegment. Was war dein persönlicher Auslöser für die Gründung von IRALIS?

Hinter IRALIS steckt tatsächlich eine sehr persönliche Geschichte. Zur Geburt meines Sohnes durfte ich mir ein Schmuckstück aussuchen. So bin ich zum ersten Mal als Konsumentin in die Welt der Diamanten eingetaucht. Dabei wurde mir bewusst, dass es in dieser Branche gewisse Problematiken gibt.

In diesem Zusammenhang habe ich auch zum ersten Mal von laborgezüchteten Diamanten gehört. Diese sind chemisch, physikalisch und visuell identisch mit Minen-Diamanten. Je nachdem, wie sie produziert werden, können sie jedoch deutlich nachhaltiger sein. Gleichzeitig eröffnet sich eine grössere gestalterische Freiheit, da Diamanten – auch aufgrund der Preisstruktur – leichter in verschiedenen Designs und Grössen realisiert werden können.

Diese Entdeckung hat bei mir eine regelrechte intellektuelle Reise ausgelöst. Ich begann, mich intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen und tiefer in die Diamantwelt einzutauchen. Einerseits wurde mir bewusst, welche Herausforderungen und ethischen Fragen mit der traditionellen Diamantförderung verbunden sind, andererseits faszinierte mich die technologische Innovation der Laborproduktion.

Etwas, das viele Menschen nicht wissen: Russland gehört zu den grössten Diamantproduzenten weltweit. Gerade in den letzten Jahren hat das Land trotz Sanktionen weiterhin grosse Mengen Diamanten exportiert. Das zeigt, wie komplex und teilweise intransparent die Lieferketten in der Minenindustrie sein können.

All das hat mich dazu inspiriert, eine Marke zu gründen, die sich bewusst differenziert. Bei IRALIS arbeiten wir ausschliesslich mit laborgezüchteten Diamanten und kooperieren mit Produzenten, die höchste Standards erfüllen und erneuerbare Energien nutzen. Unser Ziel ist es, in der Schweiz eine Marke aufzubauen, die für Transparenz, Innovation und verantwortungsvolle Produktion steht.

IRALIS - Rings and Necklace on Model

©IRALIS

Du hast erwähnt, dass laborgezüchtete Diamanten sich chemisch, physikalisch und visuell nicht von Minen-Diamanten unterscheiden. Wie lassen sich dann trotzdem Unterschiede feststellen?

Mit blossem Auge ist kein Unterschied erkennbar – weil es faktisch keinen gibt. Das Material ist identisch: Kohlenstoff, der unter Druck und Hitze kristallisiert ist.

Ich vergleiche das gerne mit Babys, die entweder auf natürlichem Weg oder durch In-vitro-Fertilisation entstehen. Das Resultat ist in beiden Fällen das Gleiche, nämlich ein Baby. Ähnlich verhält es sich mit Diamanten.

Unterschiede lassen sich nur in einem spezialisierten Labor feststellen. Dort wird der Stein unter enormer Vergrösserung analysiert. Der entscheidende Unterschied liegt in der Wachstumsstruktur der Atome. Im Labor wachsen diese meist gleichmässiger als in der Natur. Zusätzlich gibt es spezielle Diamant-Tester, die messen, wie Energie durch den Stein geleitet wird. Auch dadurch lässt sich feststellen, ob ein Diamant im Labor entstanden ist. Diese Geräte sind jedoch sehr teuer und im Alltag kaum relevant.

Für jemanden, der den Diamanten trägt – ob am Finger, am Hals oder am Handgelenk – ist der Unterschied nicht erkennbar. Genau das macht diese Technologie so faszinierend.

Wie funktioniert der Herstellungsprozess eines Diamanten im Labor?

Heute gibt es zwei etablierte Methoden zur Herstellung von Diamanten. Die erste Methode nennt sich High Pressure High Temperature (HPHT). Dabei wird der natürliche Prozess der Diamantentstehung unter der Erde nachgebildet, was sehr ressourcenintensiv ist. Ein kleiner Diamantsamen wird in eine grosse Maschine gelegt, die extreme Hitze und Druck erzeugt. In dieser Umgebung wächst der Diamant über mehrere Wochen.

Die zweite Methode ist die Chemical Vapor Deposition (CVD). Hier wächst der Diamant in einer Druckkammer Schicht für Schicht aus einem kohlenstoffhaltigen Gas. Diese Technologie ist moderner, benötigt weniger Platz und kann sehr präzise gesteuert werden. Viele Experten sehen darin mittlerweile die qualitativ führende Methode.

Unabhängig vom Verfahren ist der Prozess komplex. Nach dem Wachstum werden die Diamanten geschliffen, poliert und anschliessend nach den klassischen Qualitätsmerkmalen, den sogenannten vier Cs, bewertet.

IRALIS - Rings

©IRALIS

Wie bei Minen-Diamanten gelten auch für laborgezüchtete Diamanten die vier Cs: Cut, Color, Clarity und Carat. Wie begleitest du deine Kunden bei der Auswahl?

Ein wichtiger Punkt ist zunächst das Verständnis, dass ein Diamant nicht automatisch perfekt, oder «internally flawless» wie man sagt, aus der Maschine kommt. Der Wachstumsprozess dauert Wochen und ist sehr sensibel. Bereits kleinste Partikel oder minimale Schwankungen in der Energiezufuhr können Einschlüsse oder Wachstumsstrukturen verursachen.

Genau wie bei natürlichen Diamanten entstehen deshalb auch bei Laborsteinen unterschiedliche Qualitätsstufen. Diese werden unabhängig zertifiziert.

Gleichzeitig gibt es grosse Unterschiede in der Produktion. Ein Diamant, der beispielsweise mit Kohleenergie in grossen Maschinen produziert wird, liegt preislich in einer völlig anderen Kategorie als ein Stein von Produzenten, die mit erneuerbaren Energien arbeiten und modernste Technologien einsetzen.

Das bedeutet: Auch im Labordiamant-Segment gibt es ein breites Qualitätsspektrum. Deshalb ist es mir wichtig, Kunden transparent über diese Unterschiede zu informieren und sie auf dem Weg zu einer informierten Entscheidung zu begleiten.

Wir bieten eine kuratierte Auswahl an Designs an, können aber auch auf individuelle Kundenwünsche eingehen.

Der Preis eines Labordiamanten hängt also stark von der erzeugenden Technik ab?

Ganz genau. Faktoren wie Produktionsmethode, Energiepreise, Herkunftsland oder Technologie der Maschinen spielen eine grosse Rolle. Zudem kommt es vor, dass ganze Produktionschargen nicht verwendet werden können – dann gehen Wochen an Arbeit verloren.

Ein weiterer interessanter Punkt ist, dass die Technologie eigentlich nicht neu ist. Laborgezüchtete Diamanten existieren seit den 1950er-Jahren und wurden lange vor allem für industrielle Zwecke genutzt. Erst in den letzten 15 Jahren hat sich die Technologie so stark weiterentwickelt, dass Diamanten in Schmuckqualität hergestellt werden können.

Vertrauen spielt in dieser Branche eine zentrale Rolle. Welche Prüfungen und Zertifizierungen durchlaufen die Diamanten bei IRALIS?

Unsere Diamanten werden zunächst von einem ausgebildeten Gemmologen ausgewählt, also einem Experten für Edelsteine und deren Entstehung.

Wir arbeiten ausschliesslich mit Steinen ab einem Karat, die unabhängig zertifiziert wurden. Die wichtigsten Institute dafür sind das Gemological Institute of America (GIA) sowie das International Gemological Institute (IGI).

Diese Institute prüfen Diamanten unabhängig und bewerten sie nach den vier Cs. Erst nach dieser Zertifizierung werden die Steine weiterverarbeitet.

Anschliessend arbeiten wir eng mit unseren Kunden zusammen. Wir besprechen das Budget, Wünsche und Designvorstellungen. Wir sind stets bestrebt, den schönsten Diamanten im Rahmen der Möglichkeiten herauszuholen. Danach bestellen wir passende Steine bei unseren Produzenten. Die finalen Schmuckstücke werden von Goldschmieden in Rom, Antwerpen oder der Schweiz gefasst.

IRALIS-mindful-diamonds

©IRALIS

Wie funktioniert der kreative Prozess hinter deinen Designs?

Auf unserer Website bieten wir eine kuratierte Auswahl an Designs, die auf Marktanalysen und Kundenpräferenzen basiert. Gleichzeitig können Kunden ihre Schmuckstücke individuell anpassen.

Interessanterweise zeigt unsere Erfahrung, dass Diamantschmuck oft sehr klassisch gewählt wird. Viele Menschen träumen von zeitlosen Stücken wie einem Solitärring oder Diamant-Studs.

Ich selbst arbeite gerne mit klassischen Formen, interpretiere sie aber mit einer modernen Perspektive. So entstehen Designs, die traditionell wirken, aber gleichzeitig zeitgemäss sind. Schlussendlich ist es ein Prozess. Wir starteten klassisch und von da aus entwickeln wir uns weiter.

Der Aufbau meiner Marke ist eine kontinuierliche, wunderschöne Reise.

Wie steht es mit farbigen Diamanten?

Auch laborgezüchtete Diamanten können farbig hergestellt werden. Einige Produzenten haben sich sogar auf bestimmte Farbtöne spezialisiert.

Besonders spannend ist derzeit die Dynamik in der Diamantindustrie. Der grosse Minenkonzern De Beers hat beispielsweise begonnen, sogenannte «Desert Diamonds» in Champagner-Farben zu vermarkten. Früher galten diese Farbtöne als weniger wertvoll – heute sind sie dank geschicktem Marketing sehr gefragt.

Das zeigt, wie stark unsere Wahrnehmung von Diamanten auch kulturell geprägt ist. Schon in den 1950er-Jahren hat die berühmte Kampagne «A Diamond is Forever» unser Verständnis von Diamantschmuck nachhaltig verändert.

Nochmals zurück zur ursprünglichen Frage: Farbige Diamanten können hergestellt werden, einige Farben sind einfacher zu entwickeln als andere. Wir von IRALIS versuchen stets mit den besten Produzenten zusammen zu spannen.

Was unterscheidet IRALIS von anderen Schmuckmarken?

Unsere Marke basiert auf drei zentralen Prinzipien: Personalisierung, Low Impact und Transparenz.

Wir begleiten unsere Kunden sehr persönlich und gestalten Schmuckstücke individuell nach ihren Wünschen. Gleichzeitig arbeiten wir ausschliesslich mit Produzenten, die höchste Nachhaltigkeitsstandards erfüllen. Unser Gold ist vollständig recycelt, und unsere Partner sind Mitglieder des Responsible Jewellery Council. Unser Ziel ist es, im Premiumsegment höchste Qualitäts- und Transparenzstandards zu setzen.

Emerald-Necklaces

©IRALIS

IRALIS wurde vor eineinhalb Jahren gegründet. Wie möchtest du die Marke weiterentwickeln?

Der Aufbau meiner Marke ist eine kontinuierliche, wunderschöne Reise. Mit jedem Gespräch lerne ich mehr über die Wünsche meiner Kunden. Was mir besonders wichtig geworden ist: die Erfahrung rund um den Kauf. Ob jemand einen Diamanten für mehrere tausend Franken oder ein kleineres Schmuckstück kauft – der Moment soll gleich bedeutungsvoll sein.

Gleichzeitig sehe ich eine spannende Entwicklung: Immer mehr Frauen kaufen hochwertigen Schmuck für sich selbst. Studien zeigen, dass mittlerweile über 50% der Käufe im High-End-Segment von Frauen getätigt werden. Diese Entwicklung finde ich unglaublich inspirierend als Unternehmerin, die vor nicht allzu langer Zeit noch in der Finanzindustrie tätig war.

Du sprichst über Empowerment. Engagierst du dich auch ausserhalb deiner Marke für Frauen?

Das entwickelt sich gerade noch. Ich merke jedoch, dass viele Frauen auf mich zukommen, weil sie selbst Veränderungen in ihrem Leben anstreben und meine Erfahrungen hören möchten. Ich glaube allerdings nicht unbedingt daran, ständig neue Netzwerke zu gründen. Ich finde es vielmehr sinnvoll, bestehende Netzwerke zu stärken und dort Austausch zu fördern – und das tue ich. Ich bin Teil eines Female Founders Clubs, in dem wir regelmässig zusammenkommen, uns austauschen und voneinander lernen. Diese Gemeinschaften sind unglaublich inspirierend und wertstiftend.

Du vereinst Unternehmertum und Kreativität. Entstehen daraus Konflikte?

Für mich ist genau diese Kombination das Schönste an meiner Arbeit. Einerseits darf ich kreativ gestalten, andererseits baue ich ein Unternehmen auf. Natürlich gibt es Herausforderungen, aktuell zum Beispiel der stark gestiegene Goldpreis, der sich seit der Gründung von IRALIS nahezu verdoppelt hat. Das beeinflusst Preise und Planung erheblich. Aber genau solche Entwicklungen gehören zum Unternehmertum dazu und ich lerne mit ihnen.

Designer Spotlight: IRALIS

©IRALIS

Gab es bisher auch Rückschläge?

Natürlich. Rückschläge gibt es immer wieder und sind unvermeidbar. Diese sind gleichzeitig sehr lehrreich.

Ein Beispiel: Zu Beginn hatte ich meine Marke unter meinem eigenen Namen aufgebaut. Als ich sie registrieren wollte, stellte sich heraus, dass der Name rechtlich nicht geschützt werden konnte. Das bedeutete einen Neustart, der uns mehrere Monate gekostet hat. Rückblickend war es jedoch eine der besten Entscheidungen, weil daraus der Name IRALIS entstanden ist und dieser wiederum der Marke neuen Fokus für späteres Wachstum gegeben hat.

Wie siehst du die Entwicklung der Schweizer Modeszene?

Ich bin zwar stark in meiner Schmuck-Bubble, aber ich sehe sehr viel Innovations- und Unternehmergeist in der Schweizer Modebranche.

Viele Designerinnen beschäftigen sich mit Themen, die für Frauen im Alltag relevant sind – etwa Passform, Funktionalität oder neue Materialien. Gleichzeitig steht der Standort Schweiz stark für Qualität. In einer Welt der schnellen Mode wächst wieder das Bedürfnis nach langlebigen, hochwertigen Produkten. Diese Entwicklung finde ich sehr positiv.

Was würdest du dir für die Schweizer Modeszene wünschen?

Ich wünsche mir vor allem noch mehr selbstbewusste Unternehmerinnen, die ihren Blickwinkel in die Branche einbringen.

Mode wie auch Schmuck sind ein unglaublich kraftvolles Ausdrucksmittel – und ich glaube, wir stehen erst am Anfang dessen, was sich in der Schweizer Szene noch entwickeln kann.

Hier findest du die Designs von IRALIS: Webseite | Instagram

das könnte dich auch interessieren!

Designer Interview

Designer Spotlight: Dagsmejan

Designer Spotlight: Dagsmejan
EDITOR'S Pick

Chloé im März

Chloé im März
the COLOR edit

Chartreuse - Ein Grün, das auffällt

Chartreuse - Ein Grün, das auffällt

nichts mehr verpassen!

melde dich für den newsletter von the edit an und bleibe auf dem laufenden

Designer Spotlight: IRALIS | the edit