Designer Spotlight: Vera Eigenmann von LUKKA

Vor eineinhalb Jahren hat Vera Eigenmann ihren beruflichen Weg einschneidend verändert. Nach einem Politikstudium und vielen Jahren in der Finanzbranche, hat sie, aufgrund ihres eigenen Wunsches nach moderner Business Kleidung, ein Label für Frauen gegründet. Im Interview mit the edit. spricht sie über ihre Kindheit, den Moment, als sie entschied, ihre eigene Kleidung zu machen, die Wichtigkeit des Materials, sowie über ihre weiteren Pläne für LUKKA.
Liebe Vera, du hast ursprünglich International Affairs studiert und warst danach mehrere Jahre in leitenden Funktionen im Bankenwesen tätig. Wie bist du zum Modedesign gekommen?
Kleidung und Schuhe haben mich schon immer fasziniert. Ich erinnere mich gut daran, wie ich als Kind mit meiner Mutter in Schuhläden ging – nicht um etwas zu kaufen, sondern einfach, um stundenlang Schuhe anzuprobieren. Oder wie ich in den Schulferien in der Badi gearbeitet habe, um mir Dries Van Noten Schuhe zu kaufen. Als Jugendliche habe ich mich ständig umgezogen, bin manchmal in ungewöhnlichen Kleiderkombinationen in die Schule. Mode und die damit verbundene Ausdrucksform waren schon früh ein grosses Thema für mich.
Vielleicht liegt es auch ein wenig in der Familie: Meine Grossmutter war Schneiderin, meine Mutter ist sehr Handarbeit begabt und meine Tante führte mit Unterstützung meiner anderen Grossmutter eine Boutique in St. Gallen. Zudem war mein Vater Musiker und ein sehr kreativer Mensch, was meinen Wunsch Kleider zu entwerfen womöglich auch noch unterstützte.
Ich fand es schwierig, Kleidung zu finden, die elegant, angenehm, alltagstauglich, nicht bieder und nicht aus Plastik war. Aus diesem persönlichen Bedürfnis ist LUKKA entstanden.
Vor rund zwei Jahren stand ich vor der Entscheidung zum nächsten beruflichen Schritt. Mein Mann fragte mich damals: «Was würdest du tun, wenn es keine Restriktionen gäbe?» Und ohne lange zu überlegen, sagte ich: «Ich würde Kleider machen.» Das kam ganz aus dem Bauch heraus – ohne Vorankündigung, aber mit viel Klarheit. Vielleicht hat dieser Berufswunsch lange geschlummert (lacht).
Kurz darauf habe ich eine Ausbildung in «Fashion Design» an der Schweizerischen Textilfachschule (STF) angetreten. Mein Ziel war es, das Handwerk zu lernen: Nähen, Skizzieren, technische Zeichnungen. Und so begann alles.
Schon da wusste ich, dass ich Business Kleidung machen möchte. Ich fand es immer schwierig, Kleidung zu finden, die elegant, angenehm, alltagstauglich, nicht bieder und nicht aus Plastik war. Aus diesem persönlichen Bedürfnis ist LUKKA entstanden.

©LUKKA
Mit deinem Label LUKKA stehst du für «Mindful Business Chic». Was unterscheidet deine Entwürfe von anderer Business Kleidung?
Im Zentrum steht bei mir das Material. Der Stoff ist die Ausgangslage meiner Arbeit und das Herzstück von LUKKA. Ich verwende Stoffe aus Naturfasern, aktuell reine Wolle und Baumwolle, die elegant und gleichzeitig waschbar und somit alltagstauglich sind. Das ist auch mein USP. Ich habe viel Zeit investiert, um den perfekten waschbaren Wollstoff zu finden.
Dazu kommen klare, zeitgemässe Schnitte, die den weiblichen Körper nicht einengen, sondern stil- und liebevoll umhüllen.
Wie würdest du die Frau beschreiben, die deine Designs trägt?
Ich sage gerne: «Women with a Voice.» Frauen mit Haltung, die ihre Stimme – ob laut oder leise – für ein Thema erheben. Frauen, die Qualität und faire Herstellung schätzen. Und Frauen, die sich gerne gut kleiden, aber nur begrenzt Zeit in ihr Styling investieren möchten. Der englische Ausdruck «effortless elegance» trifft unseren Stil gut: LUKKA macht es möglich, mit wenig Aufwand einen starken Auftritt hinzulegen.
Wie bringst du deine Kleidung an die Frau?
Aktuell verkaufe ich direkt über meinen Webshop und Pop-ups. In einem nächsten Schritt werde ich weitere Kanäle prüfen, beispielsweise etablierte Boutiquen und/oder Modehäuser.
Erste Bilder entstehen im Kopf – ich bin ein sehr visueller Mensch. Meine Ideen skizziere ich dann, bis das perfekte Design entsteht.
Woher nimmst du deine Inspiration – internationale Labels oder ganz andere Quellen?
Ein Grossteil der Inspiration kommt von mir selbst, von meinem eigenen Tragegefühl. Ich frage mich: Was würde ich in Situation X anziehen wollen? So entstehen erste Bilder im Kopf – ich bin ein sehr visueller Mensch. Meine Ideen skizziere ich dann, bis das perfekte Design entsteht.
Selbstverständlich gibt es auch Designerinnen, die mich besonders geprägt haben. Jil Sander zum Beispiel. Sie hat in den 70ern den Anzug für die Frau etabliert – minimalistisch, kraftvoll, klar. Ihre Vision und Designs sprechen mich sehr an. Und Miuccia Prada inspiriert mich mit ihrem feministischen Ansatz: Sie zeigt Frauen nicht nur als begehrenswertes Objekt, sondern kombiniert das Schöne immer auch mit edgy Elementen. Lustigerweise hat sie auch mal Politikwissenschaft studiert – genau wie ich, das gibt mir Hoffnung (lacht).
Wie holst du dir Feedback – und wie stark beeinflusst es deinen Designprozess?
Ich hole bewusst Rückmeldungen ein, insbesondere zum Tragegefühl und zu Farben. Bei Passformen oder Designs vertraue ich stark auf mein eigenes Gefühl. Im Allgemeinen bin ich etwas skeptisch gegenüber formalisierten Kundenbefragungen.
Wie sieht bei dir der kreative Prozess konkret aus?
Es gibt Phasen mit grossem kreativen Flow. Dann zeichne ich überall – mit dem iPad oder auf Papier. Danach folgt der Auswahlprozess: insbesondere zu Beginn viele Tests, viele Prototypen, viele Stoffe. Ich habe anfangs mit einer Schneiderin zusammengearbeitet, mit der ich im Nähsaal der STF die ersten Prototypen genäht habe. Die Schnitte entwickle ich mit einer erfahrenen Schnitttechnikerin – sie kennt meinen Stil inzwischen sehr gut.

©LUKKA
Du produzierst in der Schweiz – konkret im Tessin, bei Punto301. Warum dort?
Die Herstellung unter fairen Arbeitsbedingungen und mit einem hohen Qualitätsanspruch sind für mich zentrale Aspekte. Beides ist bei Punto301 gegeben und die Zusammenarbeit ist sehr angenehm, die Wege kurz.
Was sind weitere Herausforderungen für dich als Designerin neben der Stoffsuche?
Mich fordert weniger das Design, sondern mehr die unternehmerische Seite. Ich führe eine selbstfinanzierte Einzelfirma. Da muss man alles selbst machen, gleichzeitig aber auch schnell genug vorwärtskommen. Budgetierung, Strategie, Produktion, Marketing und Verkauf – das alles muss irgendwie unter einen Hut gebracht werden. Das ist oft ein Spagat.
Wie gehst du mit Zweifeln um?
Natürlich gibt es sie. Sie dominieren aber nicht meinen Alltag. Klar, es gibt Momente, in denen ich mich frage, ob das alles funktioniert. Aber ich habe grosse Freude an dem, was ich tue. Und ich bin überzeugt von meinen Produkten und dass die Frauenwelt genau diese Kleidung braucht. Hinzu kommt, dass mein erster Pop-up in Zürich sehr erfolgreich war – ein Grossteil der ersten Kollektion war nach diesen vier Wochen ausverkauft. Das bestätigt meine Vision und treibt mich an.
Fast Fashion hat bekanntlich unwürdige Arbeitsbedingungen normalisiert und viel zerstört: in Bezug auf Qualität, Wertschätzung und Umwelt.
Wie nimmst du die Schweizer Modeszene wahr?
Neben den grossen Häusern wie beispielsweise Akris, Bally oder Strellson, gibt es in der Schweiz auch viele bemerkenswerte kleinere Slow Fashion Labels – mit Fokus auf regionale Produktion und einem hohen Qualitätsanspruch.
Besonders schätze ich Plattformen wie the edit., Laufmeter oder Maison Shift – sie fördern den Austausch und vernetzen. Und visionäre Projekte wie Fabric Loop, die sich für Nachhaltigkeit in der Textilbranche einsetzen, finde ich für die Branche essentiell.
Gibt es etwas, das du dir für die Schweizer Modeszene wünschst?
Vor allem ein grösseres Bewusstsein bei den Konsument*innen und Achtsamkeit im Umgang mit Kleidung. Viele kennen den tatsächlichen Wert eines Kleidungsstücks nicht. Fast Fashion hat bekanntlich unwürdige Arbeitsbedingungen normalisiert und viel zerstört: in Bezug auf Qualität, Wertschätzung und Umwelt.

©LUKKA
Zum Schluss: Welche Pläne hast du für die Zukunft?
Ich arbeite daran, dass LUKKA weiter wächst und sich als Lieblingsmarke für Mindful Business Chic etabliert. Mein Ziel ist es, dass LUKKA Teil von möglichst vielen Capsule Wardrobes wird. Unsere Hosen wie auch Blusen und Jacken sind sehr vielseitig kombinierbar.
Aktuell arbeite ich an zusätzlichen Farben und Designs. Wer über Neuigkeiten informiert werden möchte, kann auf unserer Website gerne den Newsletter abonnieren.
das könnte dich auch interessieren!
Stones that Travel. Values that Stay.

Designer Spotlight: Barbara Tschanen von 0714

Chloé im Januar

nichts mehr verpassen!
melde dich für den newsletter von the edit an
und bleibe auf dem laufenden