the edit.
zeitlos und neu in fashion
Designer Interview

Designer Spotlight: Ladina Kienast

aktualisiert am 27.10.2025
Designer Spotlight: Ladina Kienast
Wellen sind das Differenzierungsmerkmal von Ladina Kienast. Sie integriert das geschwungene Element konsequent in Schnittführungen und Materialien. Kein Wunder also, ist das «Wave-Dress» ihr Signature Piece und der perfekte Einstieg in die Welt von kienast.

Schon als Kind war Ladina Kienast von der Schneiderei umgeben. Ihr Urgrossvater war Schneider, ihre Mutter quiltete. Dennoch schlug sie zunächst den Weg als Primarlehrerin ein – aus Liebe zum Sozialen. Heute führt sie ihr eigenes Label kienast und zeigt, wie sehr Handwerk, lokale Produktion und Inspiration aus der Natur ihre Mode prägen.

Ladina, du hast an der Schweizerischen Textilfachschule STF Fashion Design studiert. Zuerst warst du aber Primarlehrerin. Wie kam es zur Gründung deines Labels?

Textilien haben mich mein Leben lang begleitet. Dieses Machen mit den Händen, das Sorgfältige – das ist mir geblieben. Als Lehrerin habe ich meine Arbeit sehr geschätzt, aber sie war auch fordernd. Stricken war mein Ausgleich, darüber kam ich zum Nähen. Um tiefer ins Handwerk einzutauchen, habe ich an der STF erst den Studiengang «Fashion Spezialistin» und danach «Fashion Designerin» besucht.

Ich wäre wohl gar nicht Designerin geworden, wenn ich nicht eine stetig Suchende wäre.

Was hat dich am zweiten Studium besonders geprägt?

Das Studium hat mir gezeigt, wie man Kollektionen professionell entwickelt, von der Gestaltung bis zur Vermarktung. Vor allem die systematische Analyse von Kollektionen hat mir geholfen, meinen eigenen roten Faden zu finden.

Sobald man diesen roten Faden gefunden hat, wird Vieles einfacher. Ich glaube, dass alles eigentlich schon in einem drin vorhanden ist, man muss es nur finden. Aber auf der Suche bin ich dennoch immer. Ich weiss nicht, ob ich damit je fertig bin. Vielleicht ist das auch gar nicht wünschenswert. Ich wäre wohl gar nicht Designerin geworden, wenn ich nicht eine stetig Suchende wäre.

Wie würdest du den Stil von kienast beschreiben?

Das Design-Element der Welle hat es mir momentan angetan. Dieses Element baue ich in Schnittführungen und Stoffe ein. Meine Mode ist verträumt und gleichzeitig geradlinig. Und genau diese Verbindung finde ich toll.

Ein weiteres Merkmal sind meine Stoffe – ich liebe Strukturen und arbeite fast ausschliesslich mit Reststoffen, die ich sorgfältig auswähle. Den perfekten Stoff zu finden, ist wie eine Nadel im Heuhaufen.

Ladina-Kienast-Wintervest-Hazel

@Kienast

Woher kommt deine Inspiration?

Generell ist es ein Lebensgefühl, um das ich mich gerne begebe. Dieses Gefühl hat mit Leichtigkeit zu tun. Ich mag Ruhe und Schlichtheit, aber nicht Minimalismus. Ich finde einen grossen Teil meiner Inspiration in der nordischen Lebensweise und Stimmung. Da gehört die Natur für mich dazu. Diese grossen Weiten. Island ist ein gutes Beispiel. Diese grossen Eisblöcke und Vulkankrater – das strahlt für mich Ruhe aus. Ich würde sagen, meine Inspiration ist ein Lebensgefühl und eine Gesamt-Ästhetik, in die ich mich gerne einfüge.

Du produzierst ausschliesslich in der Schweiz. Warum?

Für mich ist das zentral. Lokale Produktion hat ihren Preis, aber sie gibt meinen Kleidungsstücken Wertigkeit und Exklusivität. Ich arbeite mit einem kleinen Team im Tessin zusammen, das mir flexible Mengen ermöglicht. So kann ich auch Einzelstücke oder Nachbestellungen realisieren.

Es ist interessant, mit den Leuten über den Preis der Kleidung zu diskutieren. Viele meiner Freunde sind erschrocken und meinten, meine Kleidung sei viel zu teuer. Das hat sehr spannende Gespräche ausgelöst. Ich kann nur bedingt beeinflussen, was die Leute zu zahlen bereit sind. Aber lokale Produktion gibt der Kleidung eine Wertigkeit. Wird ein Kleidungsstück gerne sowie lange getragen, merkt man, dass es gar nicht so teuer ist.

Ladina-Kienast-Pleatedpants-Coffee

©Kienast

Wie hast du deine Produktionsstätte im Tessin gefunden?

Mir wurde eine tolle Produktionsstätte empfohlen, worauf ich diese dann besucht habe. Das Punto 301 besteht aus drei jungen, dynamischen Frauen: Line, Giulia und Michela. Sie haben ein kleines Team bestehend aus Näherinnen, einer Zuschneiderin und einer Schnitttechnikerin und die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut.

Es gibt keine Mindestmenge, die ich produzieren muss. Wenn ich im Ausland, irgendwo in Europa produzieren würde, wäre die Produktion zwar günstiger, aber ich müsste auch ein grösseres Volumen produzieren. Das geht nicht mit Einzelstücken. So habe ich den Vorteil, dass ich nachbestellen kann, wenn ich noch Reststoffe habe.

Das bedeutet also, wenn ich zu dir komme und sage, ich hätte gerne dieses bestimmte Kleid, kannst du dort anrufen und fragen, ob sie es mir produzieren würden?

Genau. Und die Zollgebühren fallen auch weg, was in diesen Zeiten ganz gut ist (lacht). Obwohl ganz ohne Zoll komme ich auch nicht aus. Die Stoffe sind aus Europa importiert.

Was sind deine grössten Herausforderungen als Designerin?

Ich bin eine One-Woman-Show. Das ist fantastisch, weil ich meine eigenen Ideen umsetzen kann, aber das rächt sich manchmal auch, weil ich alles selbst machen muss. Zum Teil ist es schwierig, alles unter einen Hut zu bringen: das Design, die Prototypen-Umsetzung, die Produktion, die Kommunikation, der Vertrieb, das Marketing und die Medienarbeit.

Ich habe immer eine Kollektion im Verkauf, aber parallel bin ich schon an der nächsten dran. Und zusätzlich arbeite ich noch zwei Tage pro Woche als Lehrerin. Aber dieser Spagat stimmt für mich.

Modedesign wird in der Schweiz nicht unbedingt belächelt, aber auch nicht systematisch und grossflächig unterstützt.

Hast du Pläne für die Zukunft oder spannende Projekte in Aussicht, die du mit uns teilen möchtest?

Mein nächstes Ziel ist die Teilnahme an der Mode Suisse nächstes Jahr. Ich studiere schon lange, was ich für diesen Event erarbeiten kann.

Wie siehst du die Entwicklung der Schweizer Modeszene?

Grundsätzlich finde ich, es ist eine schöne Community, die sich gegenseitig sehr unterstützt. Es gibt sehr viel Zusammenhalt und gemeinsam organisierte Aktivitäten. Was fehlt, ist das Geld hinter allem. In der Schweiz gibt es keine wirkliche Modeindustrie. Hier hat das zu wenig Tradition, das Technische steht im Vordergrund. Modedesign wird in der Schweiz nicht unbedingt belächelt, aber auch nicht systematisch und grossflächig unterstützt.

Zum Schluss: Welches Kleidungsstück empfiehlst du Einsteigerinnen in deine Modewelt?

Momentan wäre das der «Wave Dress». Davon gibt es auch verschiedene Ausführungen: lang, kurz, mit Ärmel oder ohne. Das ist ein gutes Einstiegsmodell. Und was toll ist, man ist mit diesem Kleidungsstück bereits angezogen.

Ladina-Kienast-Wavedress-White

©Kienast

Hier findest du Ladina Kienasts Designs: Webseite | Instagram

das könnte dich auch interessieren!

Neu entdeckt

Stones that Travel. Values that Stay.

Stones that Travel. Values that Stay.
Designer Interview

Designer Spotlight: Barbara Tschanen von 0714

Designer Spotlight: Barbara Tschanen von 0714
EDITOR'S Pick

Chloé im Januar

Chloé im Januar

nichts mehr verpassen!

melde dich für den newsletter von the edit an und bleibe auf dem laufenden

Designer Spotlight: Ladina Kienast | the edit