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Designer Interview

Designer Spotlight: Studio 7

aktualisiert am 16.10.2026
Designer Spotlight: Studio 7
Eine Tasche kann weit mehr sein als ein praktischer Begleiter: Sie kann einen schlichten Look verwandeln, Gespräche anstossen und ein Stück Persönlichkeit sichtbar machen. Diesem Gedanken folgen Stéphanie Cavegn und Muriel Raimann mit Studio 7. Die beiden Gründerinnen verbinden ausdrucksstarkes Design mit traditioneller Handarbeit und einem sozialen Anspruch – und zeigen, dass Glamour und bewusster Konsum durchaus zusammenpassen.

Was als spontane Idee unter Freundinnen begann, entwickelte sich zu einem Schweizer Taschenlabel mit unverkennbarer Handschrift. Im Gespräch mit the edit. erzählt Stéphanie Cavegn von Studio 7 über die Anfänge mit glitzernden Perlentaschen, soziale Produktions-partnerschaften und dem Ziel, Taschen für alle Lebenssituationen zu entwerfen.

Glitzer und Farbe können richtig glücklich machen und unterstreichen dein Outfit.

Wie ist Studio 7 entstanden?

Sehr naiv und spontan. Wir haben uns über unseren Freundeskreis kennengelernt und uns sofort gut verstanden. Bei einem Treffen hatte ich eine Perlentasche vom Flohmarkt dabei. Wir sprachen darüber, wie besonders solche Taschen wirken, und fragten uns, weshalb man sie nicht in anderen Formen produzieren könnte. Aus dieser Schnapsidee wurde etwas Konkretes: Wir recherchierten Produzent*innen, eröffneten einen Instagram-Account und bestellten zunächst rund 20 Taschen in zwei Farben. Die ersten Modelle waren innerhalb eines Nachmittags verkauft.

Was hat euch an der Idee besonders fasziniert?

Die Taschen sind speziell und lösen etwas aus. Glitzer und Farbe können richtig glücklich machen und unterstreichen dein Outfit. Wir dachten: Komm, wir probieren es einfach. Genau aus diesem Gefühl heraus ist unsere Marke entstanden.

Wann wurde aus der Idee ein Unternehmen?

2020 begannen wir, alles aufzusetzen. Zunächst lief das Geschäft unter unseren privaten Namen, später gründeten wir die GmbH. Inzwischen investieren wir beide feste Arbeitstage in Studio 7. Wir kamen an den Punkt, an dem uns bewusst wurde: Die Marke hat Potenzial, aber sie braucht mehr Aufmerksamkeit, Strukturen und eine langfristige Planung.

Designer Spotlight: Studio 7

©Studio 7

Gab es einen Moment, in dem ihr realisiert habt: Jetzt ist Studio 7 wirklich in der Öffentlichkeit angekommen?

Eigentlich schon im ersten Jahr. Wir waren überrascht, wie gut die Taschen ankamen – nicht nur in Zürich, sondern weit darüber hinaus. Noch spannender ist, dass die Nachfrage geblieben ist. Unsere Kollektion hat sich über die Jahre weiterentwickelt und die Perlentasche ist heute nicht mehr unser einziges Produkt, aber sie ist immer noch der absolute Bestseller. Besonders schön ist es, sie bei Hochzeiten, beim Ausgehen oder ganz selbstverständlich im Alltag zu sehen.

Eure Taschen haben einen hohen Wiedererkennungswert. Wie wichtig ist euch eine eigene Handschrift?

Sehr wichtig. Unser Ziel ist eine Tasche für jeden Anlass, immer mit einem Element, das typisch Studio 7 ist. Bei schlichteren Stofftaschen haben wir gemerkt, dass sie zwar funktionieren, aber weniger unverwechselbar sind. Formen, Materialien und Farben müssen eine klare Identität haben.

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©Studio 7

Quiet Luxury prägt derzeit viele Looks. Warum ist trotzdem Raum für Glitzer und Glamour?

Gerade zu einem minimalistischen Outfit kann eine besondere Tasche das entscheidende Add-on sein. Gleichzeitig führen wir auch dezente Modelle in Schwarz, Beige, Taupe oder Olive. Sie integrieren sich ruhig in einen Look und setzen trotzdem ein Statement. Farbtrends sind allerdings schwer vorherzusagen: Hellblau wurde bei uns zunächst kaum gekauft und war ein Jahr später plötzlich sehr gefragt. Manchmal müssen Kund*innen ein Produkt einfach mehrfach sehen.

Uns geht es um Qualität, um das Handwerk und um die Geschichten der Menschen hinter den Produkten.

Wie entscheidet ihr, welche Produkte und Kategorien neu dazukommen?

Wir sammeln Ideen, prüfen Formen und Materialien und klären, was sich mit unseren bestehenden Produzentinnen umsetzen lässt. Dann zeichnen oder beschreiben wir ein Modell und lassen einen Prototyp herstellen. Nicht jeder Versuch schafft es in die Kollektion. Seit etwa zwei Jahren ist dieser Prozess deutlich strukturierter, denn Prototypen und grössere Produktionsmengen brauchen viel Vorlauf. Unser Ziel bleibt, das Sortiment für unterschiedliche Anlässe sinnvoll zu erweitern.

Welche Bedeutung hat Handarbeit für Studio 7?

Einen sehr hohen Wert. Wenn man eine Tasche in der Hand hält und weiss, dass ihre Herstellung mehr als sechs Stunden oder länger gedauert hat, versteht man auch den Preis anders. Natürlich könnte man günstiger und maschinell produzieren. Uns geht es aber um Qualität, um das Handwerk und um die Geschichten der Menschen hinter den Produkten.

Designer Spotlight: Studio 7

©Studio 7

Wie sieht das Netzwerk hinter der Produktion aus?

Unsere Produktionspartnerinnen arbeiten mit einem Netzwerk von rund 20 Frauen in der Türkei zusammen. Sie wurden in Workshops geschult und können Aufträge flexibel übernehmen, wenn es zu ihrem Alltag passt. Für uns bedeutet das: Wir müssen früh planen, weil grosse Stückzahlen nicht kurzfristig entstehen. Gleichzeitig ist daraus über die Jahre eine sehr loyale und persönliche Zusammenarbeit gewachsen.

Auch in der Schweiz arbeitet ihr mit der Stiftung Züriwerk zusammen. Was ist euch an solchen Partnerschaften wichtig?

Der soziale Aspekt ist zentral. Stiftung Züriwerk übernimmt für uns Lagerung und Versand und schafft Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Beeinträchtigungen. Solche Kooperationen sind nicht immer der schnellste oder günstigste Weg, aber sie verleihen unserer Arbeit einen anderen Wert. Dasselbe gilt für die Frauen im Produktionsnetzwerk: Ihre Handarbeit soll geschätzt sein und fair entlohnt werden.

Was unsere Kundschaft verbindet ist die Lust, mit einer Tasche ein Statement zu setzen.

Erinnerst du dich an das erste Mal, als du eine Studio 7-Tasche an einer fremden Person gesehen hast?

Am Anfang wurden uns ständig Fotos zugeschickt, wenn jemand auf der Strasse eine unserer Taschen trug. Das macht uns bis heute stolz. Besonders schön ist auch, wenn Kund*innen erzählen, wie viele Komplimente sie für ihre Tasche bekommen haben. Ein Accessoire kann Gespräche auslösen – genau das mögen wir.

Wer ist die typische Studio 7-Kundin?

Unsere Kundschaft ist breit, meist zwischen 20 und 50, aber auch darüber hinaus. Was viele verbindet, ist die Lust, mit einer Tasche ein Statement zu setzen. Das erfordert vielleicht etwas Mut und Selbstbewusstsein. Die Tasche soll ein gutes Gefühl geben.

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©Studio 7

Was ist eure Vision für die nächsten Jahre?

Wir möchten im DACH-Raum stärker präsent sein und in ganz Europa wachsen. Das klingt glamourös, bedeutet aber sehr viel Administration – von Mehrwertsteuer bis Lagerlogistik. Gleichzeitig wollen wir die Wiedererkennbarkeit der Marke stärken und weitere Produktlinien entwickeln. Unser grösstes Ziel ist es, Studio 7 als Taschenlabel in den Köpfen unserer Zielgruppe – den Bossbabes – zu verankern und sie mit unseren Taschen stilvoll und selbstbewusst durch alle Lebenssituationen zu begleiten.

Was hast du durch Studio 7 über dich selbst gelernt?

Sehr viel über E-Commerce, Social Media, Produktentwicklung und darüber, wo meine eigenen Stärken liegen. Vor allem habe ich gelernt, dass vieles möglich ist, wenn man wirklich an eine Idee glaubt und konsequent daran arbeitet. Mit Familie und Hauptjob wird Zeit zur knappsten Ressource. Deshalb braucht eine Marke Fokus, klare Ziele und die Bereitschaft, Dinge auch einmal zu reduzieren.

Du und Muriel seid Freundinnen und Geschäftspartnerinnen. Wie funktioniert eure Zusammenarbeit?

Am Anfang machten wir alles gemeinsam. Irgendwann mussten wir die Bereiche klar aufteilen und festlegen, wer den Lead übernimmt. Produktentwicklung und Shootings machen wir weiterhin zusammen, ebenso die wichtigen Marketingentscheide. Struktur und Kommunikation sind entscheidend – gerade weil zwei Menschen unterschiedliche zeitliche und familiäre Bedürfnisse haben. Unsere Freundschaft ist uns sehr wichtig, deshalb sprechen wir auch unangenehme Themen bewusst an.

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©Studio 7

Wie blickst du auf die Schweizer Modeszene?

Sehr positiv. Es gibt immer mehr Schweizer Marken, die sichtbar werden und sich eine starke Position aufbauen. Ich finde es mutig und inspirierend, wenn Menschen den Schritt zur eigenen Marke wagen. Lokale und kleinere Labels haben oft ein anderes Preisniveau als Fast Fashion, dafür kauft man bewusster, weniger und mit einem stärkeren Bezug zum Produkt.

Was wünschst du dir von Konsument*innen?

Mehr Bewusstsein dafür, was hinter einem Produkt steckt und weshalb es seinen Preis hat. Recherche, Entwicklung, Materialien und Handarbeit sind oft unsichtbar. Es wäre schön, wenn mehr Menschen lieber weniger kaufen, dafür gezielt Schweizer oder verantwortungsvoll produzierende Marken unterstützen.

Hier findest du die Designs von Studio 7: Webseite | Instagram

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