Designer Spotlight: HoLM THINGS

Im Gespräch mit the edit. wird schnell klar, was ihre Arbeit besonders macht: Nicht nur Lilian’s geschulter Blick für Produkte und Prozesse, sondern auch ihre tiefe Verbundenheit mit der Lebenswelt von Kindern – und der Anspruch, Kleidung zu schaffen, die sie wirklich gerne tragen.
Kinder sind ehrlich. Sie zeigen direkt, was sie mögen und was nicht.
Lass uns mit einem Blick in die Vergangenheit beginnen: Gibt es ein Kleidungsstück aus deiner Kindheit, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ich habe als Kind viel mit meiner Mutter genäht, sowohl für mich selbst als auch für meine Puppen. Dadurch hatte ich schon früh ein Verständnis dafür, wie Kleidung entsteht: wie sie konstruiert wird, welche Details wichtig sind und wie man Stoffe auswählt.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein pinker Seidenrock mit schwarzen Punkten, den wir für mich und meine Puppe zu Weihnachten genäht haben.
Besitzt du diesen Rock heute noch?
Tatsächlich habe ich ihn vor Kurzem auf dem Dachboden meiner Eltern wiedergefunden. Wenn meine Tochter einmal hineinpasst, darf sie ihn gerne tragen.
Du bringst viele Jahre Erfahrung in der Modeindustrie mit. Wie kam es dazu, dass du dein eigenes Label für Kinder gegründet hast?
Ich habe mich schon vor 17 Jahren in meiner Masterarbeit mit Ethical Fashion beschäftigt. Damals lag der Fokus stärker auf Produktion als auf Konsum. Danach habe ich für andere grosse Konzerne gearbeitet, habe beim Aufbau einer Kinderabteilung mitgewirkt und konnte viel lernen – aber auch die Schattenseiten der Industrie sehen: Zeitdruck, Schnelllebigkeit und steigende Produktionsmengen.
Mit der Geburt meines ersten Kindes hat sich meine Perspektive nochmals verändert. Plötzlich war ich selbst Konsumentin von Kinderkleidung und habe intensiver darüber nachgedacht, was wir kaufen und was später mit diesen Kleidungsstücken passiert.
So sind zwei zentrale Motivationen entstanden: Erstens, Kleidung zu gestalten, die Kinder wirklich gerne tragen. Und zweitens, Produkte so zu designen, dass sie am Ende ihres Lebenszyklus recycelbar sind. Daraus ist HoLM THINGS entstanden.

©HoLM THINGS
Kannst du den zweiten Motivator, das Recycling, etwas konkreter ausführen?
Wir haben ein «Take-me-back»-Programm. Kund*innen können die Kleidung zurückschicken, und sie wird gemeinsam mit einem Recyclingpartner wiederverwertet. Das heisst, die Fasern werden neu eingesetzt. Dafür erhalten sie 20% Rabatt auf ihre nächste Bestellung.
Auch bei Details denken wir weiter: Die Gummibänder in allen Unterteilen (Leggings, Hosen, Röcke, Shorts) sind biologisch abbaubar. Unser Ziel ist es, Produkte zu schaffen, die nicht über Jahrtausende auf Deponien bleiben. Gleichzeitig sollten sie aber ästhetisch und begehrenswert bleiben.
Du bist selbst Mutter. Was bedeutet es für dich emotional, Kleidung für Kinder zu entwerfen?
Es ist sehr sinnstiftend. Kinder sind ehrlich. Sie zeigen direkt, was sie mögen und was nicht. Es geht weniger um Inszenierung als bei Erwachsenenkleidung, sondern um echte Bedürfnisse. Kleidung muss funktionieren und sich gut anfühlen.
Was unterscheidet Kinderkleidung von Mode für Erwachsene?
Bei Kindern steht Bewegung im Mittelpunkt. Kleidung darf nicht einengen, nicht kratzen, muss bequem sein und mit ihnen mitgehen. Wenn etwas nicht passt, tragen sie es einfach nicht – so ehrlich sind sie.
Gleichzeitig kaufen Eltern sehr emotional ein. Es ist also immer ein Spannungsfeld zwischen den Bedürfnissen von Kindern und den Vorstellungen der Eltern.

©HoLM THINGS
Welche Werte sollen Eltern spüren, wenn sie deine Stücke kaufen?
Dass jedes Teil sorgfältig und durchdacht entwickelt wurde. Es soll kein Impulskauf sein, sondern etwas, das bewusst gewählt und lange getragen wird.
Durchdacht. Zeitlos. Bewusst. So beschreibe ich mein Label kurz und knapp.
Kinder wachsen schnell – wie gehst du damit um?
Ich empfehle oft, eine Grösse grösser zu kaufen. Ausserdem biete ich Patches an, um Kleidung zu reparieren und zu personalisieren. Kinder lernen so, Dinge wertzuschätzen und weiterzugeben. Und wenn ein Teil wirklich nicht mehr tragbar ist, kann es recycelt werden.
Wie reagieren Kinder auf deine Designs?
Ich arbeite mit einer Basis-Farbpalette und einem Capsule-Wardrobe-Konzept. Alles lässt sich miteinander kombinieren. Das erleichtert den Alltag für alle. Alles basiert auf Alltagssituationen: Wie bewegen sich Kinder wirklich? Was wünschen sich Kinder und Eltern? Die praktischen Taschen beispielsweise sind auf beinahe jedem Produkt zu finden.
Materialseitig arbeite ich vor allem mit OEKO-TEX®-zertifizierter Baumwolle, häufig Jersey in verschiedenen Qualitäten: weich, langlebig und alltagstauglich.
Ich freue mich darauf zu sehen, wie HoLM THINGS Teil des Alltags von Kindern wird – Stücke, die getragen, geliebt und in Erinnerung bleiben.
Wo lässt du deine Kleidung produzieren?
Aktuell in Portugal. Es war nicht einfach, passende Partner zu finden. Aber mir war wichtig, Produzenten zu wählen, die meine Werte teilen, vor allem im Umgang mit Abfällen und Recycling.
Nachhaltigkeit spielt eine grosse Rolle für dich. Was bedeutet das konkret?
Es geht darum, ständig besser zu werden. Nachhaltigkeit beeinflusst jede Designentscheidung – von Materialien über Details bis zur Produktionsmenge. Ich setze auf zeitlose Designs statt Trends und auf kleinere, durchdachte Kollektionen. Und mit meinem «Take-me-back»-Programm versuche ich, den Lebenszyklus eines Kleidungsstückes zu verlängern.
Auch soziale Verantwortung ist mir wichtig: Für die Lagerung und das Fulfillment arbeite ich mit der Stiftung Züriwerk zusammen, die Arbeitsplätze für Menschen mit Beeinträchtigungen schafft.
Du bist zugleich Designerin und Unternehmerin. Wo siehst du deine grössten Herausforderungen?
Alles gleichzeitig zu machen. Ich bin verantwortlich für Strategie, Marketing, Finanzen – und treffe ständig Entscheidungen. Ich versuche, mir ein Netzwerk aufzubauen, um Ideen zu spiegeln und Feedback zu bekommen.

©HoLM THINGS
Würdest du heute etwas anders machen?
Weniger Perfektionismus. Man kann nicht alles im Voraus planen. Vieles lernt man im Prozess.
Wie sieht die Zukunft von HoLM THINGS aus?
Ich freue mich am meisten darauf, eine Marke weiter aufzubauen, mit der sich Familien wirklich verbunden fühlen. Die Kollektion bewusst weiterzuentwickeln, unsere Präsenz zu stärken und unsere zirkulären Ansätze weiter zu vertiefen, sind wichtige nächste Schritte.
Vor allem freue ich mich darauf zu sehen, wie HoLM THINGS Teil des Alltags von Kindern wird – Stücke, die getragen, geliebt und in Erinnerung bleiben. Ich möchte weiter experimentieren. In der neuen Kollektion gibt es einen digitalen Produkt Pass (DPP), der mehr Transparenz über die Herkunft der Kleidung schafft. Alles entwickelt sich Schritt für Schritt.
Was hat dich auf deinem Karriere-Weg besonders geprägt?
Der Wunsch, ein Kinder-Label zu gründen, war immer da. Meine Erfahrungen, beruflich wie privat, haben mich letztlich genau hierhin geführt.
Wie siehst du die Schweizer Modeszene?
Sie ist im Aufbau. Es gibt viele spannende neue Labels und Ideen: Es tut sich etwas.
Würdest du dir etwas für die Schweizer Modelandschaft wünschen?
Mehr Austausch, mehr Sichtbarkeit und mehr gegenseitiges Lernen. Es gibt so viele tolle Initiativen, die noch zu wenig bekannt sind.

©HoLM THINGS
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