Designer Spotlight: Catarina Dahlin von Dagsmejan

Wir optimieren alles – nur unseren Schlaf nicht. Warum ausgerechnet Schlafkleidung ein unterschätzter Schlüssel zu erholsamem Schlaf und langfristiger Gesundheit ist, erklärt die Co-Gründerin und Co-CEO von Dagsmejan, Catarina Dahlin, im Interview mit the edit. Ein Gespräch über wissenschaftliche Forschung, innovative Materialien und die Vision, Schlaf neu zu definieren.
Wir optimieren nahezu jeden Bereich unseres Lebens, aber unseren Schlaf vernachlässigen wir weitgehend.
Catarina, wie entstand die Idee, Schlafkleidung auf wissenschaftlicher Basis zu entwickeln?
Die Idee entstand mitten in unserer Corporate-Karriere. Mein Co-Founder sowie Co-CEO Andreas Lenzhofer und ich – wir sind auch privat ein Team – begannen vor einigen Jahren darüber nachzudenken, unsere berufliche Laufbahn neu auszurichten und etwas Eigenes aufzubauen. Gesundheit war für uns immer ein zentrales Thema. Dabei wurde uns etwas Entscheidendes bewusst: Wir optimieren nahezu jeden Bereich unseres Lebens wie Ernährung, Bewegung, Leistung, aber unseren Schlaf vernachlässigen wir weitgehend.
Dabei verbringen wir rund ein Drittel unseres Lebens schlafend. Und trotzdem wird Schlafkleidung oft rein nach Farbe oder Bequemlichkeit ausgewählt. Niemand würde heute einen Marathon in einem Baumwoll-T-Shirt laufen. Doch bei Nachtwäsche akzeptieren wir seit Jahrzehnten den Status quo. Diese Diskrepanz war der Ausgangspunkt für unsere Frage: «Was kann Schlafkleidung eigentlich leisten»?

©Dagsmejan Ventures AG
Wie seid ihr dieses Thema angegangen?
Da wir weder aus der Schlafmedizin noch aus der Textilindustrie stammen, war für uns klar: Wenn wir diesen Anspruch ernst nehmen, müssen wir mit den Besten zusammenarbeiten. Noch bevor wir das erste Produkt entwickelten, starteten wir ein Innosuisse-Forschungsprojekt gemeinsam mit der EMPA, Schweizer Industriepartnern und einem international renommierten Schlafprofessor der Universität Stockholm.
Insgesamt haben wir zwei Innosuisse-Projekte durchgeführt. Dadurch konnten wir fundiert erforschen, wie Stoffe entwickelt und getestet werden müssen, um beispielsweise die Temperatur nachts optimal zu regulieren, aber auch, wie Design unsere Bewegungen im Schlaf unterstützen kann. Aus diesen Erkenntnissen sind mehrere Kollektionen entstanden, die auf Temperaturregulation basieren, da diese einen enormen Einfluss auf die Schlafqualität hat.
Warum ist das Thema so relevant?
Rund ein Drittel der Menschen leidet im Laufe des Lebens unter Schlafproblemen. Etwa 70 Prozent berichten, dass ihnen nachts entweder zu warm oder zu kalt ist – oder beides. Das ist ein reales, weit verbreitetes Problem. Trotzdem denken die wenigsten daran, dass Schlafkleidung Teil der Lösung sein könnte.
Guter Schlaf macht uns widerstandsfähiger, leistungsfähiger und ausgeglichener.
Eure Vision geht also über Komfort hinaus und bespielt den Longevity Trend, richtig?
Absolut. Unsere Vision ist es, funktionale, komfortable und hochwertige Schlafkleidung zu entwickeln – mit Blick auf Gesundheit und Longevity. Guter Schlaf und ein langes, gesundes Leben sind eng miteinander verbunden.
Es gibt diesen Spruch: «I’ll sleep when I’m dead» («Ich werde schlafen, wenn ich tot bin»). Die Realität ist jedoch: Wer schlecht schläft, schadet seiner Gesundheit massiv. Während wir schlafen, regenerieren sich unsere Zellen, das Immunsystem wird gestärkt. Schlechter Schlaf korreliert stark mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Entzündungen, Stoffwechselproblemen und Gewichtszunahme. Guter Schlaf macht uns widerstandsfähiger, leistungsfähiger und ausgeglichener und unterstützt langfristig ein gesundes Leben.
Was unterscheidet Dagsmejan von herkömmlicher Schlafkleidung?
Wir beginnen immer bei den physiologischen Schlafbedürfnissen. Die zentrale Frage lautet: «Was braucht der Körper nachts?» Daraus entstanden unsere drei temperaturregulierenden Linien – für Menschen, denen es nachts zu warm ist, zu kalt ist oder beides.
Hinzu kommt unsere Recovery-Kollektion für sportlich aktive Menschen. Sie enthält mineralbasierte Prints, die Infrarotenergie reflektieren und die Sauerstoffversorgung der Muskeln unterstützen. Unsere Sensitive-Kollektion richtet sich an Menschen mit sensibler Haut oder Neurodermitis. Klinische Tests zeigen, dass Zink und botanische Fasern den Haut- und Schlafkomfort verbessern.
Kurz gesagt: Wir starten nicht mit Trendfarben oder Designs, sondern mit einem konkreten Schlafbedürfnis. Und jede Aussage wird wissenschaftlich getestet und validiert – das unterscheidet uns klar vom Markt.

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Eure Kollektionen entstehen also im Labor?
Ja. Der Entwicklungsprozess beginnt mit dem Bedürfnis, gefolgt von der Zusammenarbeit mit Schlaf- und Medizinexpert*innen. Darauf aufbauend entwickeln wir Stoffe, Schnitte und Testparameter. Design spielt dabei ebenfalls eine zentrale Rolle: flache Nähte, minimale Reibung, Anpassung an Schlafpositionen sowie die erhöhte Hautdurchblutung im Schlaf.
Ihr bietet sogar eine risikofreie Rückgabe an.
Ja, weil viele Menschen nicht erwarten, dass Schlafkleidung wirklich einen Unterschied macht. Wir wollen diese Hürde nehmen. 98 Prozent unserer Kund*innen würden uns weiterempfehlen, etwa 20 Prozent kommen über persönliche Empfehlungen.
Welche Materialien kommen bei euch zum Einsatz?
Das hängt von der jeweiligen Kollektion ab. Unsere Stay-Warm-Kollektion kombiniert feine Merinowolle mit botanischen Fasern wie Eukalyptus – für leichte, atmungsaktive Wärme ohne Überhitzung. Andere Linien nutzen mineralische Prints oder Zink, je nach funktionalem Ziel.
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Werden Produkte auch während der Entwicklung verworfen?
Ja, sogar regelmässig. Wenn ein Stoff nicht alle Kriterien erfüllt – etwa nach wiederholtem Waschen –, wird er nicht verwendet. Qualität und Glaubwürdigkeit stehen für uns an oberster Stelle.
Wer ist eure Zielgruppe?
Unsere Kernzielgruppe liegt zwischen 35 und 55 Jahren, die Personas sind jedoch sehr unterschiedlich. Die Recovery-Kollektion verkauft sich stärker an Männer, andere Linien zu rund 70 Prozent an Frauen. Etwa die Hälfte unseres Umsatzes stammt aus der Schweiz, die andere Hälfte aus internationalen Märkten.
Wo sind eure Produkte erhältlich?
In unseren eigenen Stores in Zürich, an der Strehlgasse und in Basel, in Pop-ups sowie bei ausgewählten Premium-Händlern, Schlaf- und Bettenfachgeschäften und Wellness-Resorts wie dem Grand Resort Bad Ragaz. Und natürlich online.
Dagsmejan in drei Worten: Wissenschaft. Komfort. Schlaf.
Was hält dich als Gründerin nachts wach?
Planungsunsicherheit. Rund 40 Prozent unseres Jahresumsatzes machen wir im November und Dezember, gleichzeitig müssen wir langfristig denken. Ereignisse wie Covid, geopolitische Krisen oder politische Entscheidungen können Märkte stark beeinflussen. Interessanterweise war Covid für uns ein Wachstumstreiber, da wir stark im E-Commerce und im Health-Bereich positioniert sind.
Was sind eure wichtigsten Märkte?
Die Schweiz, die USA und Deutschland machen rund 85 Prozent unserer Präsenz aus, gefolgt vom Vereinigten Königreich. Insgesamt verkaufen wir in über 100 Ländern, investieren aber gezielt in diese Kernmärkte.
Dagsmejan in drei Worten?
Wissenschaft. Komfort. Schlaf.
Was sind eure Pläne für dieses Jahr?
Dieses Jahr feiern wir unser zehnjähriges Jubiläum – und bringen eine grosse Innovation auf den Markt. Mehr dürfen wir noch nicht verraten. Aber es wird spannend.

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