Designer Spotlight: aimée studios

Zwischen Zürich und Polen produziert aimée studios Taschen und Accessoires, die den Alltag einfacher machen sollen – ohne dabei auf gestalterischen Anspruch zu verzichten. Im Gespräch erzählen die Gründerinnen Barbara Huber und Stefanie Thalmann, weshalb sie sich gegen Schnelllebigkeit entschieden haben, warum Nachhaltigkeit für sie weit mehr ist als ein Schlagwort und wie aus einer Idee ein Label wurde, das bewusst, persönlich und zeitlos sein möchte.
Uns ging es nie darum, möglichst viel einzubauen, sondern genau das Richtige.
Wie wurde aus einer alltäglichen Tote Bag die Idee für euer eigenes Label?
Die Idee entstand aus einem sehr konkreten Alltagsproblem. Wir waren beide oft mit Tote Bags unterwegs und hatten immer wieder das gleiche Gefühl: praktisch, aber selten wirklich durchdacht oder schön. Viele Modelle konnten entweder funktional oder ästhetisch überzeugen, kaum aber beides zugleich. Genau daraus entstand der Wunsch, selbst eine Tasche zu entwickeln, die Alltagstauglichkeit und Gestaltung konsequent zusammenbringt.
Was hat euch an den meisten Taschen auf dem Markt gestört?
Uns fehlte vor allem die Balance. Viele Taschen waren entweder zu gross, zu klein, schlecht organisiert oder nur auf eine Trageweise ausgelegt. Was wir gesucht haben, war ein Modell, das gut aussieht und gleichzeitig im Alltag funktioniert. Genau daraus entstand unser Anspruch: eine Tasche mit klarer Form, sinnvollen Fächern und genügend Flexibilität für das, was man täglich dabei hat.
Was macht eure Tasche funktional, ohne dass sie ihren reduzierten Look verliert?
Unsere Tasche ist bewusst so gestaltet, dass sie sich unterschiedlichen Situationen anpasst. Zwei kurze Henkel und ein langer Riemen ermöglichen verschiedene Trageweisen, dazu kommen Aussenfächer und eine Innentasche für die Dinge, die man nicht lange suchen möchte. Uns ging es nie darum, möglichst viel einzubauen, sondern genau das Richtige – damit Funktion nicht sichtbar laut sein muss.
Der Name «aimée studios» klingt bewusst intim. Was steckt dahinter?
Aimée ist Französisch und bedeutet «die Geliebte». Uns gefiel die Idee eines Produkts, zu dem man eine Beziehung aufbaut – nicht als schnell konsumiertes Objekt, sondern als Begleiter, den man gerne bei sich hat. Diese Nähe, aber auch eine gewisse Beständigkeit, wollten wir im Namen mittragen.

©aimée studios
Ihr arbeitet mit Baumwolle und recycelten Materialien. Warum war genau diese Materialwahl entscheidend?
Für uns musste das Material drei Dinge gleichzeitig leisten: natürlich wirken, robust sein und im Alltag bestehen. Deshalb arbeiten wir vor allem mit Baumwollstoffen, teilweise auch mit recycelten Materialien. Die Taschen sollen waschbar, pflegeleicht und belastbar sein – also nicht nur schön aussehen, sondern auch Laptop, Sportzeug und tägliche Nutzung problemlos mittragen. Genau in dieser Verbindung von Haptik, Funktion und Langlebigkeit liegt für uns der nachhaltige Anspruch.
Warum habt ihr euer Sortiment mit Key Chains erweitert?
Weil sie denselben Gedanken weitertragen wie unsere Taschen: Dinge zu entwerfen, die man gern und lange benutzt. Uns ging es nicht darum, möglichst schnell neue Produkte zu lancieren, sondern um Objekte, die im Alltag wirklich bestehen. Die Key Chains passen deshalb gut zu unserem Ansatz – klein, funktional und trotzdem mit einer klaren gestalterischen Haltung.
©aimée studios
Habt ihr weitere Ideen für euer Sortiment? Plant ihr neue Produkte oder vielleicht zusätzliche Farben?
Neue Farben auf jeden Fall, besonders bei den Key Chains. Sie werden alle hier in der Schweiz produziert, und dadurch können wir sehr flexibel auf Wünsche reagieren. Wir arbeiten mit einem Stoffgeschäft im Kreis 4 in Zürich zusammen, wo wir unterschiedliche Farben auswählen können. So ist zum Beispiel auch schon ein Dunkelgrün entstanden, weil jemand gezielt danach gefragt hat und wir eine kleine Serie dafür umsetzen konnten. Im Moment liegt unser Fokus deshalb weniger auf einer Sortimentserweiterung als darauf, die Key Chains farblich weiterzuentwickeln. Aktuell experimentieren wir mit Tönen wie Gelb, Hellgrün sowie Rot und überlegen, wie wir dieses Farbspiel künftig weiterführen möchten.
Ihr produziert in Zürich und in Polen. Wie kam es zu dieser Aufteilung?
Die Key Chains entstehen in Zürich, was uns kurze Wege und eine enge Zusammenarbeit ermöglicht. Für die Tote Bags brauchten wir jedoch einen Partner, der kleine Mengen produzieren kann und zugleich hohe Qualitätsstandards erfüllt. Diese Kombination haben wir in Polen gefunden. Entscheidend war für uns nicht nur die Produktion selbst, sondern auch der Austausch: Muster, Anpassungen und das gemeinsame Weiterdenken gehören für uns genauso dazu.
Wir haben gelernt, dem eigenen Produkt stärker zu vertrauen und anzuerkennen, was bereits entstanden ist.
Viele Labels sprechen von Nachhaltigkeit. Was bedeutet sie bei euch konkret?
Für uns beginnt Nachhaltigkeit nicht beim Etikett, sondern bei den Entscheidungen dahinter. Dazu gehören langlebige Materialien, kleine Produktionsmengen, Reparierbarkeit und möglichst kurze Wege. Wir wollen nicht auf Vorrat produzieren, sondern bewusst und bedarfsorientiert arbeiten. Das ist aufwendiger und oft langsamer – aber genau dieses Tempo entspricht unserer Sichtweise.
Wo liegt für kleine nachhaltige Labels heute die grösste Herausforderung?
Im Spagat zwischen Werte und Markt. Faire Produktion und hochwertige Materialien haben ihren Preis – gleichzeitig bleibt der Vergleich mit günstig produzierter Massenware allgegenwärtig. Wir merken, dass das Bewusstsein für Nachhaltigkeit wächst, aber beim Preis endet diese Offenheit oft. Genau dieses Spannungsfeld ist für viele kleine Labels die zentrale Herausforderung. Nachhaltigkeit ist noch nicht selbstverständlich geworden.
Was habt ihr im Aufbau eures Labels am meisten über euch selbst gelernt?
Vor allem, geduldig zu bleiben. Ein Label wächst nicht im Sprint, sondern in Etappen. Besonders dann, wenn man es nicht Vollzeit aufbaut. Wir haben gelernt, uns weniger mit anderen zu vergleichen. Gerade in Zürich gibt es viele kleine Labels, Leute mit grossartigen Ideen – da kommt man schnell in Versuchung. Wir haben gelernt, dem eigenen Produkt stärker zu vertrauen und anzuerkennen, was bereits entstanden ist. Dieses langsame Wachsen ist nicht immer einfach, aber für uns der ehrlichere Weg.
©aimée studios
Wenn ihr eure Brand in drei Worten verdichten müsstet – welche wären das?
Bewusst, persönlich und zeitlos.
Gab es einen Moment, in dem ihr gespürt habt: Jetzt ist das hier wirklich real?
Ja – als die ersten Samples ankamen. Zum ersten Mal ein eigenes Produkt in der Hand zu halten, versehen mit dem handgeschriebenen, selbst entwickelten Logo, war ein sehr besonderer Moment. Fast genauso prägend war später die erste Bestellung von jemandem, den wir nicht persönlich kannten. Spätestens da wurde klar: Aus einer Idee ist etwas Eigenständiges geworden.
Zum Abschluss eine Frage zur Entwicklung der Schweizer Mode- und Accessoires-Szene: Könnt ihr bestimmte Trends beobachten?
Ich habe den Eindruck, dass die Schweizer Modeszene in den letzten Jahren mutiger, vielfältiger und experimentierfreudiger geworden ist. Es gibt immer mehr kleine Labels, die Neues ausprobieren und eigene Wege gehen. Man sieht das auch in eurem Magazin: Die Vielzahl an Gründerinnen und Designerinnen zeigt, wie breit und spannend die Szene inzwischen aufgestellt ist.
Gleichzeitig ist Nachhaltigkeit vermehrt zu einem wichtigen Thema geworden – und nicht nur als Schlagwort, sondern als gelebter Anspruch. Dieses Bewusstsein ist spürbar. Auch an den Stores, die uns aufgenommen und unterstützt haben, merkt man, dass ein entsprechendes Mindset vorhanden ist. Es geht nicht nur um Konkurrenz, sondern auch darum, sich gegenseitig Sichtbarkeit zu geben und kleinere Labels zu fördern.
©aimée studios
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