Das war die Zurich Fashion Week 2026

Opening Night: Theatralik, Front Row und starke Bilder
Am Mittwoch, 11. Februar 2026, sassen wir beim grossen Opening in der Front Row. Gezeigt wurden unter anderem die Kreationen der Modeco-Kostümabteilung sowie des Brands Thongchai.
Die Looks beider Shows waren visuell stark. Beeindruckt hat uns die Kreativität, Oppulenz und die kompromisslose Alltagsuntauglichkeit. Hier einige meiner Lieblingspieces der Shows:

Kreative und Oppulente Looks von Modeco und Thongchai ©Zurich Fashion Week
Das Publikum war ein Event für sich. Branchenmenschen, Medienvertreter*innen, Influencer, Kreative – und viele, die zumindest an diesem Abend Teil dieser Welt sein wollten. Einige Gäste lieferten beeindruckende Streetstyle-Momente - wir haben diese auf unserem Instagram eingefangen - andere Outfit-Entscheidungen überzeugten uns weniger, doch über Geschmack lässt sich bekanntlich (nicht) streiten. Am Ende machte aber genau dieser Stil-Mix den Abend spannend.

the edit. in der Front Row der Zurich Fashion Week Opening Night ©the edit.
Freitag: Zwischen Anspruch und Realität
Die Pop-ups waren im grossen Saal des Kongresshauses untergebracht. Die grosszügige Fläche ermöglichte zwar eine angenehme Bewegung durch den Raum, wirkte jedoch angesichts der Anzahl Ausstellender und Besuchender am Freitagnachmittag etwas zu weitläufig. Hier hätte eine dichtere, klarer inszenierte Präsentation in einem kleineren Raum deutlich mehr Wirkung entfaltet.
Positiv aufgefallen ist uns der Brand Ombre, insbesondere durch den aussergewöhnlich eleganten Streetwear-Charakter der Looks und die extravaganten Schnitte, die höchst tragbar sind. Sympathisch herausgestochen ist auch die südamerikanische Herzlichkeit der zwei kreativen Köpfe hinter Ombre im Pop-Up-Saal. Davon können wir Schweizer uns noch eine Scheibe abschneiden.

Der elegante Streetwear-Charakter von Ombre hat uns überzeugt ©Zurich Fashion Week
Am Abend folgten die Shows von Modeco, Madame Badass und Intensify Me.
Einige Arbeiten der Modeco-Studierenden waren vielversprechend und überraschten uns durch ihre Kreativität. Jungen Talenten eine solche Bühne zu geben, ist ein enormer Mehrwert für ihre Entwicklung und bietet ihnen die Möglichkeit, ihre Entwürfe unter realen Bedingungen zu zeigen.
Für uns gehört Nachwuchsförderung selbstverständlich zu einem zukunftsorientierten Fashion-Week-Format und somit applaudieren wir die Entscheidung der Zurich Fashion Week, jungen Talenten eine Bühne zu bieten.
Ebenfalls überzeugte uns Madame Badass mit ihrer energetischen Handschrift. Die Looks denken Klassisches neu und sind dabei jung, selbstbewusst und urban chic.

Madame Badass ist jung, selbstbewusst und urban chic ©Madame Badass
Das Publikum am Freitag unterschied sich spürbar vom Opening. Der Abend wirkte weniger wie ein klassisches Branchentreffen und stärker wie ein öffentlich zugänglicher Lifestyle-Event. Der fachliche Austausch zwischen Brands, Medien und anderen Branchenakteur*innen trat dabei in den Hintergrund.
Traditionell richten sich Fashion Weeks primär an Fachpublikum: Einkäufer*innen, Presse, Stylist*innen und Influencer*innen, die Kollektionen für die kommende Saison sichten und einordnen. Die Zurich Fashion Week hingegen hat dieses Konzept geöffnet und Tickets im freien Verkauf angeboten.
Grundsätzlich begrüssen wir diese Zugänglichkeit. Mode sollte kein elitäres System sein. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie stark eine Öffnung fürs Publikum die Identität und Wahrnehmung eines solchen Formats verändert. Wenn die kommerzielle Ausrichtung dominiert, besteht das Risiko, dass der ursprüngliche Branchenzweck in den Hintergrund rückt, aber vielleicht positioniert sich die ZFW hier einfach anders.
Samstag: Handwerk und Provokation
Am Samstag besuchten wir die Show von Judassime aus Antwerpen. Das Label war uns zuvor nicht bekannt, umso spannender war die Begegnung auf dem Runway.
Ready-to-Wear steht bei diesem Label nicht im Zentrum. Leder, Fell, extreme Silhouetten und provokante Elemente prägten die Kollektion. Tragbarkeit spielt eine untergeordnete Rolle, es geht vielmehr um expressive Inszenierung.
Die Show war faszinierend und unabhängig davon, dass die Looks nicht alltagstauglich sind, war das handwerkliche Können unverkennbar. Materialwahl, Verarbeitung und Präsenz der Looks waren aussergewöhnlich. Auch im Publikum war die Resonanz spürbar positiv und die mutige Ästhetik war aus meiner Sicht eine klare Bereicherung für die Zurich Fashion Week.

Judassime: Leder, Fell, extreme Silhouetten und Provokation ©Judassime
Eventkultur vs. Modekultur?
In mehreren Medien wurde die Zurich Fashion Week im Nachgang kritisch diskutiert, insbesondere im Hinblick auf Organisation und inhaltliche Ausrichtung. Der Vorwurf lautete unter anderem, Modeschauen würden zunehmend zur Kulisse für Social Media und würden dadurch ihre Funktion als Plattform für handwerkliche Exzellenz verlieren.
Diese Einschätzung greift aus unserer Sicht zu kurz, berührt jedoch einen relevanten Punkt. Der Eventcharakter war deutlich spürbar, ebenso die Bedeutung von Bildern, Sichtbarkeit und digitaler Inszenierung. Gleichzeitig darf man nicht übersehen, dass sich Mode und ihre Präsentationsformen verändern.
Die zentrale Frage ist deshalb nicht, ob eine Fashion Week ein Event sein darf. Sie ist es immer auch. Entscheidend ist vielmehr, wie sie die Balance zwischen Zugänglichkeit, Inszenierung und professioneller Relevanz findet. Eine Öffnung in Richtung Publikum kann bereichernd sein, solange die inhaltliche Glaubwürdigkeit und die Funktion als Branchenplattform bewahrt bleiben.
Zu gross gedacht?
Eng verbunden mit der Frage der Positionierung ist auch die Dimension des Formats. Das Kongresshaus zu füllen, ist eine enorme Aufgabe – organisatorisch wie atmosphärisch. Vielleicht war diese erste Ausgabe schlicht zu gross angelegt. Ein kompakteres Format mit stärker kuratierter Auswahl hätte der Gesamtqualität gutgetan.
Die Organisation wirkte stellenweise nicht ganz ausgereift. Abläufe waren nicht immer klar, Informationen zu Shows und Designer*innen teilweise schwer zugänglich. Hier liegt viel Potenzial für Verbesserung.
Warum wir positiv bleiben
Trotz Kritik stehen wir dem Projekt offen gegenüber: Die Schweiz braucht Plattformen für Mode. Sie braucht Räume für Nachwuchs, Experimente und Sichtbarkeit. Wir denken aber, dass das Verhältnis von Qualität und Kommerzialität nochmals kritisch beäugt werden sollte.
Die Zurich Fashion Week ist ein neues Format, und neue Formate brauchen Zeit. Entscheidend wird sein, wie sich das Projekt weiterentwickelt. Wir hoffen auf einen Fokus auf Qualität und eine sorgfältigere Kuration.
Grundsätzlich sehen wir grosses Potenzial für eine Fashion Week in Zürich. Die Schweiz verfügt über zahlreiche innovative, eigenständige und qualitativ starke Brands, die eine solche Plattform verdienen.
Wir werden die Entwicklung weiter aufmerksam verfolgen und sind gespannt, wie sich die nächste Ausgabe positionieren wird.
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